EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra wirbt für einen stärkeren Ausbau der Atomkraft in der Europäischen Union und sieht Kernenergie als langfristig unverzichtbar. Zugleich hebt er die Bedeutung der Elektrifizierung und des geplanten neuen Emissionshandels ETS2 für Verkehr und Gebäude hervor, um Klima- und Wirtschaftspolitik zu verbinden.
„Wir werden Kernenergie brauchen“
EU-Kommissar für Klimaschutz und sauberes Wachstum Wopke Hoekstra spricht sich für eine stärkere Nutzung der Atomkraft in der EU aus. „Wir werden Kernenergie brauchen“, sagte Hoekstra der „Welt am Sonntag“. „Natürlich muss Kernenergie sicher und geschützt betrieben werden, aber wir brauchen sie noch über Jahrzehnte“, so Hoekstra weiter laut „Welt am Sonntag“.
Hoekstra sieht in der Elektrifizierung möglichst vieler Wirtschaftsbereiche ein zentrales Instrument zur Stärkung der europäischen Wirtschaft. Er nannte sie ein Mittel zur Erhöhung der Wirtschaftskraft und Resilienz. „Wir müssen mit einer Kombination aus Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Unabhängigkeit fortfahren, und Elektrifizierung ist ein Rezept, das für alle drei Ziele funktioniert“, sagte der frühere Finanz- und Außenminister der Niederlande der „Welt am Sonntag“.
Elektrifizierung und Energiepreise
Nach den Worten Hoekstras spielt neben der Kernenergie auch der Ausbau erneuerbarer Energien und von Speichertechnologien eine entscheidende Rolle. „Mehr Kernenergie, mehr erneuerbare Energien, mehr Batterien: Es hilft dem Klima, aber es hilft ebenso, die Endenergiepreise endlich zu senken“, sagte er der „Welt am Sonntag“.
Emissionshandel ETS2 als Anreiz
Vor diesem Hintergrund bezeichnete Hoekstra die geplante Einführung eines europaweiten Emissionshandels für die Sektoren Verkehr und Gebäude als wichtigen Schritt. Der ursprünglich für 2027 vorgesehene Start des sogenannten „ETS2“ war auf Drängen osteuropäischer Länder aus Sorge vor zu hohen Benzin-, Gas- und Heizölpreisen bereits um ein Jahr verschoben worden.
Hoekstra zeigte sich dennoch zuversichtlich. Er sei „überzeugt, dass der ETS2 politisch durchsetzbar ist und eingeführt werden wird“, sagte er der „Welt am Sonntag“. „Denn der Emissionshandel-2 ist der Anreiz zur Elektrifizierung. Und Elektrifizierung wird als No-regret-Strategie von der Industrie quer durch alle Branchen – auch von den eher zögerlichen – weitgehend anerkannt“, so Hoekstra gegenüber der „Welt am Sonntag“.
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