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Startseite AktuellEnde einer „scheinheiligen Debatte“: Osnabrücker Stadtrat beschließt Stärkung der Kunsthalle
AktuellKulturOsnabrück

Ende einer „scheinheiligen Debatte“: Osnabrücker Stadtrat beschließt Stärkung der Kunsthalle

von Tatjana Rykov 8. März 2023
von Tatjana Rykov 8. März 2023
Kunsthalle Osnabrück
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Der Osnabrücker Stadtrat diskutierte in seiner Sitzung am Dienstag (7. März) die aktuelle Lage der Kunsthalle. Vor allem die Anzahl an verkauften Tickets sorgte dafür, dass die CDU-Fraktion eine Neuausrichtung der Kunsthalle zu einem „Dritten Ort“ – einem offenen Treffpunkt und kulturellem Begegnungszentrum – forderte. Dem entgegen stand die Sichtweise der anderen Parteien im Stadtrat: Sie beschlossen mehrheitlich keine Neuausrichtung, sondern Stärkung des Kunst- und Kulturorts in der Dominikanerkirche.

Mit wechselnden Kunstausstellungen ist die Kunsthalle Osnabrück in der Dominikanerkirche ein zentraler Kulturort in Osnabrück. Erklärtes Ziel der Kunsthalle war, im Jahr 2022 4.250 zahlende Besucherinnen und Besucher anzulocken – die Realität sah mit 2.406 verkauften Tickets anders aus; wenn auch nicht so drastisch, wie die CDU ursprünglich formulierte. Für die CDU-Ratsfraktion sind diese Zahlen Anlass dazu, über eine Neuausrichtung des Orts nachzudenken. „Angesichts der genannten Zahlen und der aktuellen finanziellen Situation der Stadt muss daher die Frage gestellt werden, ob für dieses besondere und zentrale Gebäude eine andere Verwendung gefunden werden kann, die den Ort weiter lebendig hält, aber besser von den Osnabrücker Bürgerinnen und Bürgern angenommen wird und gleichzeitig weniger Kosten verursacht oder gar durch Vermietung Geld einbringt“, hieß es im Antrag der Fraktion.

Kunsthalle nur „nice to have“?

Brigitte Neumann von der CDU betonte, „dass der Antrag den Ort weiter und breiter öffnen will – nicht schließen oder aus Osnabrück herausheben.“ Mit dem Konzept des „Dritten Orts“ würde ein kultureller Mehrwert für Osnabrück entstehen. Insgesamt müsse allerdings bedacht werden, dass es sich bei der Finanzierung der Kunsthalle unter anderem um Steuergelder handele; diese müssten gut angelegt werden. Zustimmung fand die CDU vom Bund Osnabrücker Bürger, dessen Vertreterin Kerstin Meyer-Leive die Kunsthalle zwar als „nice to have“ betrachtete, aber als Konzept, das hinterfragt werden müsste.

„Verschleierung“ eines Schließungsantrags?

Die anderen Parteien im Osnabrücker Stadtrat zeigten sich von dem Antrag der CDU nicht nur entsetzt, sondern bezeichneten ihn auch als „Verschleierung“ eines Schließungsantrags. „Der Antrag der CDU ist nicht ehrlich, sondern scheinheilig“, formulierte Sebastian Bracke von den Grünen. „Osnabrück als demokratische Stadtgesellschaft braucht einen Ort wie die Kunsthalle – als Raum für Austausch, Diskussion und Inspiration.“ Volker Bajus bekräftigte: „Über Kunst kann man streiten, aber leider tun wir das hier nicht. Die CDU sucht die Debatte nicht – sie redet nicht über den Inhalt, die Ausrichtung, die Kuratierung, die Zielgruppen oder das Konzept der Kunsthalle. Sie redet über eine Schließung, die wir ganz klar ablehnen.“

Sichtbarkeit in der Stadt stärken

Heiko Schlatermund von der SPD interpretierte den Antrag der CDU-Fraktion als Kulturkampfpolitik. „Die Dominikanerkirche ist schon seit 30 Jahren die Kunsthalle der Region. Es gibt nirgendwo rentable Kunsthallen und das müssen sie auch gar nicht sein. Kunst und Kultur sind nicht wirtschaftlich.“ Schaltermunds Parteigenossin Susanne Hambürger dos Reis folgerte, nicht die Kunsthalle insgesamt in Frage zu stellen, sondern die Sichtbarkeit der Halle in den Vordergrund der Diskussion zu rücken. Es müsse darum gehen, wie die Präsenz der Kunsthalle mehr in die Öffentlichkeit getragen werden kann.

CDU-Antrag abgelehnt

Zum Abschluss der Debatte änderte die CDU-Fraktion ihren Prüfantrag und versuchte, die Debatte in den Kulturausschuss zu verlagern. Diesen Vorschlag lehnte der Stadtrat mehrheitlich ab. Der Änderungsantrag der Gruppen SPD/Grüne/Volt sowie FDP/UWG und Linke/Kalla Wefel, die Kunsthalle zu stärken statt neu auszurichten, wurde mehrheitlich beschlossen.

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Tatjana Rykov

Tatjana Rykov startete im Sommer 2019 mit einem Praktikum bei der HASEPOST. Seitdem arbeitete sie als freie Mitarbeiterin für unsere Redaktion. Nach ihrem Bachelor in Geschichte und Soziologie an der Universität Osnabrück ist sie seit 2023 wieder fest im Redaktionsteam. Derzeit schließt sie ihren Fachmaster in Neuste Geschichte an der Uni Osnabrück ab. Privat trifft man sie oft joggend im Park oder an ihrer Staffelei.

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