In ihrer Werkstatt entsteht die Illusion – mit Schrauben, Carbon und viel Arbeit.
In Bünde im Kreis Herford, am Rande Nordrhein-Westfalens, steht eine Werkstatt, die auf den ersten Blick wenig mit Zauberei zu tun hat. Hier, in der „Zauberwerkstatt“ der Ehrlich Brothers, liegen Schrauben, Rohre und Werkzeug verstreut, es riecht nach Metall und handfester Arbeit. Andreas und Chris Ehrlich, Deutschlands bekanntestes Zauberkünstler-Duo, fühlen sich hier sichtlich wohl – trotz gelegentlicher Unordnung, wie Andreas mit einem scherzhaften Seitenhieb auf seinen Bruder anmerkt: „Was mein Bruder manchmal vergisst, ist das Aufräumen.“ Wie der Tagesspiegel berichtet, ist die Werkstatt der Ort, an dem die Illusionen für ihre Shows ausgetüftelt, gebaut und getestet werden. Hogwarts, nur in Ostwestfalen, wie der Spiegel es einmal formulierte.
Zaubertricks brauchen Jahre harte Arbeit
Dass Tausende Menschen in ihren Shows staunen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung und handwerklicher Präzision. 50 fest angestellte Mitarbeiter, davon 35 in der Werkstatt, arbeiten an den Tricks, die später auf der Bühne für Verwunderung sorgen. „Viele Menschen denken, wir könnten wirklich zaubern. Das wäre schön, wir wünschen uns das häufig“, sagt Andreas Ehrlich. Doch die Realität sieht anders aus: „Es ist nicht mit einem Fingerschnipp getan.“ In der Werkstatt stehen unter anderem ein meterhoher Riesenroboter namens „Titan“, ein Mondfahrzeug und eine überdimensionale Popcorn-Maschine – allesamt Ergebnisse monate- oder gar jahreanger Arbeit. Wie die Kruschel-Redaktion berichtet, können große Illusionen sogar zwei bis drei Jahre Entwicklungszeit beanspruchen.
Shows sollen Herz und Kopf erreichen
Die Brüder betonen, dass ihre Kunst mehr ist als nur technische Perfektion. „Die Menschen kommen nicht zu uns, um eine technische Show zu sehen, sondern um eine tolle Zeit abseits des Alltags zu haben“, erklärt Andreas. Die Show soll nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz erreichen. Chris Ehrlich ergänzt: „Es ist die Freude am Spielen und Ausprobieren, die uns antreibt.“ Dennoch ist die Werkstatt ein Ort, an dem Fehler keine Option sind. „Wir sind fast nerdig darin, Fehlerpotenzial zu sehen und Lösungen zu finden“, sagt Chris. Ein Beispiel: Bei einem Trick sollte Chris in einer Arena auf eine Zielscheibe geschossen werden. Bei 350 Shows funktionierte dies – doch bei der 351. war die Zielscheibe fälschlicherweise bereits abgebaut.
Vater prägte den Erfolg der Ehrlich Brothers
Die Werkstatt ist über die Jahre gewachsen. Eine ältere Halle gilt als Keimzelle, in der die Brüder einst mit ihrem Vater an frühen Illusionen arbeiteten. Der Vater, gelernter Werkzeugmacher und später Berufsschullehrer, prägte die Brüder nachhaltig. „Als wir Kinder waren, wurde bei uns nie was weggeschmissen. Wenn etwas kaputt war, wurde es repariert“, erzählt Andreas. Der Vater starb 2013 und erlebte den großen Durchbruch der Brüder nicht mehr mit. „Der Erfolg basiert so sehr auf dem Schaffen und Handeln unseres Papas, dass es unfassbar traurig ist, dass er diese tollen Momente nicht miterleben konnte“, sagt Andreas. Mittlerweile setzen die Ehrlich Brothers auf moderne Materialien wie Carbon, das leicht und verwindungssteif ist, wie Chris Ehrlich erklärt.