Schnellster Anstieg bei Ebola-Fällen – Impfstoff fehlt, Sicherheitslage erschwert Bekämpfung.
In der Demokratischen Republik Kongo sind knapp drei Monate nach Bekanntgabe des aktuellen Ebola-Ausbruchs bereits über 2000 Menschen an der Krankheit gestorben. Nach Angaben der kongolesischen Regierung belief sich die Zahl der Todesopfer auf 2011, während 4381 Menschen erkrankt sind. Aktuell werden 704 Patienten in Isolierstationen behandelt, wie der Tagesspiegel und die Süddeutsche Zeitung übereinstimmend berichten. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 45,9 Prozent – ein Wert, der laut Experten durch bessere medizinische Versorgung gesenkt werden könnte, wie die Global-Health-Expertin Beate Kampmann im ZDFheute-Interview betonte.
Ebola breitet sich achtmal schneller aus als 2014
Besorgniserregend ist die Geschwindigkeit der Ausbreitung: Jean Kaseya, Direktor der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, verwies darauf, dass die Zahl der Erkrankten und Verstorbenen in den ersten zwölf Wochen achtmal bzw. mehr als sechsmal so hoch sei wie im gleichen Zeitraum des bisher schwersten Ausbruchs in Westafrika 2014 bis 2016. Während damals in zwei Jahren 3400 Menschen erkrankten, seien es diesmal bereits rund 4000 in nur zwölf Wochen, wie die Süddeutsche Zeitung und n-tv berichten.
Bundibugyo-Ebola: Kein Impfstoff gegen tödlichen Erreger
Ein zentrales Problem ist der Erregertyp Bundibugyo, für den es weder einen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt. Seit Anfang Juli werden zwar zwei antivirale Therapieverfahren klinisch getestet, doch die Unsicherheit über mögliche Mutationen des Virus bleibt. Zudem bereitet den Gesundheitsbehörden die hohe Dunkelziffer Sorgen: 86 Prozent der neuen Fälle lassen sich nicht auf nachverfolgte Kontakte zurückführen, wie Kaseya erklärte. Die WHO fordert jedoch, dass mindestens 95 Prozent der Kontakte erfasst werden, um den Ausbruch einzudämmen.
Krieg behindert Ebola-Bekämpfung im Kongo massiv
Die Sicherheitslage in den betroffenen Regionen verschärft die Krise zusätzlich. Das Epizentrum liegt in der Provinz Ituri, die von Konflikten und einer großen Zahl an Binnenflüchtlingen geprägt ist. Auch in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu, wo zahlreiche Fälle auftreten, herrscht eine angespannte Lage: Rebellen kontrollieren Teile der Gebiete, und die mit der Terrormiliz IS verbündete Gruppe ADF greift regelmäßig Dörfer an, wie der Tagesspiegel und n-tv berichten. Diese Umstände erschweren nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die Lieferung dringend benötigter Materialien wie Schutzkleidung oder Therapeutika.
Schutzanzug kostet mehr als Jahresbudget pro Person
Kampmann betonte im ZDFheute-Interview, dass die Ressourcen vor Ort trotz vorhandener Expertise nicht ausreichen. Ein Schutzanzug koste zwischen 10 und 20 Dollar – ein Betrag, der das jährliche Gesundheitsbudget pro Person im Kongo bereits übersteige. Zudem müssten Anzüge stündlich gewechselt werden. Langfristig seien wirksame Impfstoffe und eine lokale Produktion in Afrika notwendig, um auf künftige Ausbrüche schneller reagieren zu können. Deutschland trage bereits durch Investitionen in die internationale Impfstoffinitiative CEPI zur Finanzierung solcher Programme bei.