Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, fordert von der Bundesregierung eine umfassende Steuerreform, die vor allem Menschen mit geringen und mittleren Einkommen entlasten soll. Privilegien für Vermögende etwa bei Erbschaftsteuer, Grundsteuer und Immobiliengewinnen sollten nach seinen Vorstellungen abgeschafft werden. Vermögende und Spitzenverdiener müssten dafür stärker zur Kasse gebeten werden.
Forderung nach Abschaffung von Steuerprivilegien
Marcel Fratzscher
„Dieses Steuersystem richtet wirtschaftlichen Schaden an, vor allem, weil Menschen mit geringen und mittleren Einkommen ungewöhnlich stark durch Steuern und Abgaben belastet werden, was der Beschäftigung und damit dem Wachstum und der Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland schadet“, sagte der DIW-Präsident der „Rheinischen Post“.
Entlastung für 90 Prozent der Steuerzahler
Fratzscher plädiert dafür, 90 Prozent der Steuerzahler zu entlasten und die oberen zehn Prozent stärker zu belasten, indem der Spitzensteuersatz auf 49 Prozent angehoben wird. „Eine große Steuerreform muss zudem Vermögen in Deutschland stärker in die Verantwortung nehmen. Vermögensbezogene Steuern in Deutschland betragen knapp ein Prozent der Wirtschaftsleistung, in Frankreich, Großbritannien oder den USA betragen sie dagegen mehr als drei Prozent der Wirtschaftsleistung“, sagte Fratzscher der „Rheinischen Post“.
Stärkere Besteuerung von Vermögen
Vermögen müssten künftig stärker besteuert werden, so der DIW-Chef gegenüber der „Rheinischen Post“. „Dies sollte durch eine Abschaffung der Privilegien und Freistellungen bei der Erbschaftsteuer geschehen, wie auch durch eine Abschaffung von Privilegien bei der Besteuerung von Immobiliengewinnen und bei der Grundsteuer.“ Immobiliengewinne bleiben in Deutschland zehn Jahre nach dem Erwerb steuerfrei.
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