Für einen kurzfristigen Sicherheitspuffer im deutschen Gassystem fallen Kosten von rund 60 Millionen Euro an. Hintergrund ist eine Sonderausschreibung des Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE) für zusätzliche Regelenergie, die angesichts sinkender Füllstände der Gasspeicher gestartet wurde. Laut THE konnten alle ausgeschriebenen Bedarfe gedeckt werden, zugleich wertet die Branche das Verfahren als Hinweis auf eine angespannte Lage im Gassystem.
Sonderausschreibung für kurzfristige Regelenergie
Das Wirtschaftsmagazin „Capital“ berichtet unter Berufung auf den Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe (THE), dass sich die Kosten für einen kurzfristigen Sicherheitspuffer für das deutsche Gassystem auf rund 60 Millionen Euro belaufen. THE ist für die Stabilität des Gassystems verantwortlich und hatte Anfang Februar eine Sonderausschreibung für zusätzliche Gasmengen an sogenannter Regelenergie durchgeführt.
„In Summe belaufen sich die Leistungspreise für die Sonderausschreibung auf knapp 59,1 Millionen Euro“, teilte eine THE-Sprecherin dem Magazin „Capital“ mit. „Die gesamten ausgeschriebenen Bedarfe konnten kontrahiert werden, dementsprechend sind wir mit den Ausschreibungsergebnissen zufrieden.“
Aufgabe von Trading Hub Europe und Umfang der Maßnahmen
Als sogenannter Marktgebietsverantwortlicher ist es die Aufgabe von Trading Hub Europe, sicherzustellen, dass das Angebot und der Verbrauch von Gas stets in der Balance sind. Dafür kann THE Regelenergie zukaufen, die zum Ausgleich benötigt wird. Dies kann kurzfristig geschehen, aber auch über längerfristige Optionen, mit denen sich THE Zugriff auf Leistung sichert.
Wegen der sinkenden Füllstände der deutschen Erdgasspeicher hatte THE Anfang Februar kurzfristig eine Sonderausschreibung für zusätzliche Regelenergie für den Zeitraum von Mitte Februar bis Mitte März gestartet. Die Händler, die bei dieser Auktion den Zuschlag erhalten haben, müssen das Gas an Speicher liefern, unter anderem in Bayern. Bei Bedarf kann THE die Gasmengen als Ausgleichsenergie abrufen.
Sogenannte Long-Term-Options (LTO) für die Wintervorsorge stehen THE schon länger zur Verfügung. Im Herbst hatte THE bereits für die Monate Januar bis März Optionen über jeweils 14.410 Megawatt ausgeschrieben. Die Kosten dafür betrugen rund 50 Millionen Euro. Die kurzfristige Sonderausschreibung für weitere Leistungen von Mitte Februar bis Mitte März von in Summe 36.300 Megawatt werten Gasexperten als Zeichen für eine angespannte Situation im deutschen Gassystem. Finanziert werden die Kosten für die Ausgleichsenergie über eine spezielle Umlage.
Einordnung durch das Bundeswirtschaftsministerium
Das Bundeswirtschaftsministerium teilte auf Anfrage von „Capital“ mit, die genauen Kosten für die zusätzliche Regelenergie seien ihm noch nicht bekannt. Zugleich hob es hervor, dass es sich bei der Sonderausschreibung von THE um „eine rein präventive Maßnahme zur Sicherstellung von lokalen Regelenergiebedarfen in Hochlastszenarien“ handele. Bei der Auktion handele sich nicht um eine Maßnahme gemäß Gasspeichergesetz zur Absicherung von Gasmengen, es gehe also nicht um eine Gasumlage, so eine Ministeriumssprecherin gegenüber „Capital“.
Die LTO könnten „die Netzstabilität in Süddeutschland unterstützen, indem Leistung in Hochlastszenarien bereitgestellt wird, bis zum Beispiel angelandetes LNG aus dem Norden den Süden erreicht“, erklärte die Ministeriumssprecherin laut „Capital“.
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