Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing plädiert für eine längere Lebensarbeitszeit insbesondere für Büroangestellte und fordert umfassende Reformen in der Arbeitswelt. Zugleich warnt er vor steigender Krankheitsquote, prüfungsbedürftigen Kündigungsschutzregeln für Besserverdienende und möglichen negativen Signalen an internationale Investoren durch Wahlerfolge der AfD.
Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit und mehr Arbeit
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, will insbesondere Büroangestellte im Alter länger arbeiten lassen. „In Berufen am Schreibtisch muss man darüber sprechen, die Lebensarbeitszeit zu erhöhen“, sagte er der „Welt am Sonntag“ zu notwendigen Reformen in der Arbeitswelt.
Die Gesellschaft insgesamt müsse mehr arbeiten. Sewing regte an, zu prüfen, ob die Grenzen im Kündigungsschutz für Besserverdienende sinnvoll gesetzt seien. Auch das Thema Krankentage müsse sich die Politik anschauen. Es könne nicht sein, „dass die Zahl der Krankheitstage in Deutschland im Schnitt zwei- bis dreimal so hoch wie in der Schweiz sei“, sagte er der „Welt am Sonntag“.
Reformen als Schutz vor Nationalismus
Zügige Reformen hält Sewing auch mit Blick auf künftige Wahlergebnisse für unerlässlich. „Wenn die Menschen sehen, dass Probleme gelöst werden und am Ende mehr im Portemonnaie bleibt, lässt sich der Schwenk zum Nationalismus verhindern“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Weiter betonte er: „Dafür müssen wir aber ehrlich sein: Um das zu erreichen, müssen wir uns umstellen und in den nächsten drei bis fünf Jahren auch Schmerzen in Kauf nehmen.“
Sorge vor Signalwirkung von AfD-Erfolgen
Sewing befürchtet ein negatives Signal an internationale Investoren, das von einem ersten AfD-Ministerpräsidenten nach den Landtagswahlen im Herbst ausgehen könnte. „Wenn das Teil einer generellen Bewegung ist, die ausstrahlt und Deutschland etwa über den Bundesrat blockiert, wäre das verheerend“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Das könne sich Deutschland nicht erlauben. „Umso wichtiger ist es, jetzt ehrliche Debatten über die Zukunft dieses Landes zu führen.“
Im September 2026 wird unter anderem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern der Landtag gewählt. In beiden Bundesländern liegt die AfD in Wahlumfragen aktuell vorn.
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