Vor Beginn des Bundesparteitags der CDU in Stuttgart haben sich mehrere führende Christdemokraten demonstrativ hinter Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz gestellt. Zugleich mahnen sie vor dem am Freitag beginnenden Treffen tiefgreifende Reformen und mehr Tempo bei der Umsetzung an. In Interviews mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verweisen sie auf anhaltende Probleme und werben zugleich um Geduld in der Partei.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann bezeichnete Bundeskanzler Merz als zentrale Führungsfigur in der aktuellen politischen Lage. „Merz ist genau der richtige Kanzler zur richtigen Zeit“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagausgabe). Gleichzeitig räumte Linnemann finanzielle Altlasten ein: „Die hohe Verschuldung nach der Bundestagswahl hängt uns bis heute nach“, sagte er der Zeitung. Daraus leitete er Handlungsbedarf ab: „Deshalb müssen die notwendigen Reformen jetzt konsequent umgesetzt werden.“ Erste Schritte seien bereits eingeleitet. „Unser Ziel muss es sein, durch harte Arbeit und gute, sichtbare Ergebnisse Vertrauen zurückzugewinnen“, sagte Linnemann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Rückhalt für Merz und Kritik an der SPD
Langjähriger Weggefährte und früherer hessischer Ministerpräsident Roland Koch (CDU) betonte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ die enge Bindung von Merz an seine Partei. Die CDU sei für Friedrich Merz seine politische Heimat, sagte er. „Der Satz Angela Merkels über die CDU, sie sei `die Partei, der ich nahestehe`, wäre Merz niemals über die Lippen gekommen“, so Koch in der Zeitung.
Mit Blick auf die Reformvorhaben zeigte sich Koch unzufrieden mit dem Tempo. Es passiere „natürlich“ nicht genug, kritisierte er gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ein Christdemokrat kann doch auch mit der aktuellen Situation nicht wirklich zufrieden sein.“ Die Verantwortung dafür verortete Koch bei den Sozialdemokraten. „Wir haben uns nach der Bundestagswahl über die strategische Leitentscheidung der SPD getäuscht“, sagte er. „Die meisten Christdemokraten waren der Auffassung, dass der Korridor bei der SPD im Interesse des Landes größer ist“, so Koch in dem Interview.
Prien wirbt um Geduld in der Partei
Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Karin Prien mahnte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu mehr Gelassenheit in den eigenen Reihen. „Manche sind nach der Rückkehr der CDU ins Kanzleramt enttäuscht, dass ihre Vorstellungen sich noch nicht von jetzt auf gleich verwirklicht haben“, sagte die Bildungsministerin der Zeitung. „Ich bin das nicht.“ Merz beschrieb Prien als Vertreter eines politischen Kurses in der Mitte. Merz sei ein klassischer Mitte-Politiker, „der sich klar geltenden demokratischen Verfahren verpflichtet“ fühle, „so mühsam es manchmal sein möge“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Manche hätten es gern disruptiver, auch in unserer Partei“, fügte Prien hinzu.
Parteitag in Stuttgart und anstehende Wahl
Am Freitagnachmittag soll Friedrich Merz auf dem Bundesparteitag in Stuttgart erstmals als amtierender Kanzler im Parteivorsitz bestätigt werden. Zuletzt hatte er 2024 knapp 90 Prozent als Vorsitzender erhalten.
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