Die Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende Bärbel Bas hat am Montagmorgen (12. Oktober) überraschend ihren Rücktritt von beiden Spitzenämtern erklärt. Hintergrund ist der Tod ihrer Stieftochter. In einem persönlichen Schreiben an ihre Partei macht die 58-Jährige allerdings auch deutlich, dass die anhaltenden politischen Angriffe auf sie, darunter aus Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU, ihre Entscheidung beeinflusst haben.
Trauerfall in der Familie: Bas zieht sich zurück
Die SPD-Politikerin teilte ihrer Partei mit, dass sie nach dem Tod ihrer Stieftochter Zeit benötige, um ihre Trauer zu verarbeiten. Schon in den vergangenen Wochen hatte Bas aus familiären Gründen öffentliche Termine abgesagt.
In ihrer Erklärung schreibt sie, dass ihr derzeit die Kraft fehle, ihre Aufgaben in Regierung und Partei vollständig wahrzunehmen. Deshalb lege sie den SPD-Parteivorsitz mit sofortiger Wirkung nieder. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe sie gleichzeitig gebeten, sie aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.
Deutliche Kritik am Koalitionspartner
Bemerkenswert ist, dass Bas ihren Rückzug nicht ausschließlich mit dem persönlichen Schicksalsschlag begründet. Vielmehr beklagt sie ausdrücklich, dass öffentliche Angriffe auf sie selbst während ihrer Trauerzeit fortgesetzt und verstärkt worden seien. Dabei nennt sie auch den Koalitionspartner, ohne einzelne Politiker ausdrücklich zu benennen.
Erst in den vergangenen Wochen hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten den Rücktritt der Ministerin gefordert. In der Union war der Unmut über das Tempo bei den geplanten Sozial- und Arbeitsmarktreformen gewachsen.
Das Rücktrittsschreiben von Bärbel Bas im Wortlaut
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch.
Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.
Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben. Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege. Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.
Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt. Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe.
Gleiches gilt für meine Partei. Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion für die Unterstützung bedanken.
Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte. Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen. Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte. Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.
Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können.
Glück auf und Freundschaft, Eure Bärbel Bas
Lars Klingbeil reagiert betroffen und mit Kritik
SPD-Co-Vorsitzender und Vizekanzler Lars Klingbeil zeigte sich betroffen von der Entscheidung seiner Parteikollegin. Er könne ihren Schritt persönlich nachvollziehen. Zugleich kritisierte er die Angriffe, denen Bas in den vergangenen Tagen ausgesetzt gewesen sei, als unanständig.
Mit Bas verliert die SPD innerhalb kurzer Zeit eine ihrer wichtigsten Führungspersönlichkeiten. Sie war von Oktober 2021 bis März 2025 Präsidentin des Deutschen Bundestages und übernahm im Mai 2025 das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Seit Juni 2025 führte sie gemeinsam mit Klingbeil die SPD.
Nachfolge in Ministerium und SPD zunächst offen
Wer Bas im Bundesarbeitsministerium nachfolgen soll, war am Montagmorgen zunächst nicht bekannt. Auch die Nachfolge an der SPD-Spitze ist ungeklärt. Der Rückzug fällt in eine schwierige Phase für die Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD, die unter anderem über Rentenreformen und die künftige Ausgestaltung der Grundsicherung streitet.
In ihrem Abschiedsschreiben äußert Bas die Überzeugung, dass die SPD aus den zurückliegenden Wahlen die notwendigen Schlüsse ziehen werde. Dabei verweist sie auf den begonnenen Grundsatzprogrammprozess und bedankt sich ausdrücklich bei Lars Klingbeil, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sowie den Mitarbeitern des Arbeitsministeriums.
Kommentare zu diesem Artikel:
- Der Anlass ist traurig. Da will, muss und darf man auch als Spitzenpolitikerin einfach nur Mensch sein. Es ist aber schade, dass solche Schicksaale offenbar mit solchen Toppositionen nicht vereinbar sind.
- Der Anlass ist traurig. Da will, muss und darf man auch als Spitzenpolitikerin einfach nur Mensch sein. Es ist aber schade, dass solche Schicksaale offenbar mit solchen Toppositionen nicht vereinbar sind.
