Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius steht nach einer Indopazifik-Reise nicht nur wegen seiner Gespräche in Japan, Singapur und Australien im Fokus, sondern auch wegen der privaten Verlängerung des Aufenthalts. Aus Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU gibt es vor allem Kritik am Zeitpunkt der Auszeit. Es werden aber auch Erinnerungen wach an das Ende von Pistorius Amtsvorgängerin, die bereits nach einer vergleichsweise kurzen Dienstreise auf die Insel Sylt ihr Amt verloren hatte.
Pistorius hatte die Reise offiziell vom 20. bis 28. März 2026 absolviert. Nach Angaben des Ministeriums diente sie der Vertiefung sicherheitspolitischer Beziehungen mit Partnern im Indo-Pazifik. In Australien ging es unter anderem um eine engere Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit und Weltraum.
Für politische Diskussionen sorgt der Umstand, dass der SPD-Politiker nach dem offiziellen Programm nicht direkt nach Deutschland zurückkehrt, sondern noch eine Woche Urlaub in Australien verbringt. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass dieser Schritt in der Union auf Unverständnis stößt. Dort werde der Urlaub angesichts der internationalen Lage und wegen offener Zusagen des Ministers zur Reform der Bundeswehr als irritierend bewertet.
Kritik wegen offener Vorhaben
Besonders heikel ist das Thema auch deshalb, weil Pistorius nach Medienberichten mehrere Vorhaben zur Neuaufstellung der Bundeswehr bis Ostern angekündigt hatte, diese aber wohl nicht mehr rechtzeitig vorlegen kann. Genau dieser Zusammenhang wird nun von Kritikern herausgestellt: Während in Berlin wichtige sicherheits- und verteidigungspolitische Entscheidungen anstehen, hängt der Minister an eine Fernreise noch private Urlaubstage an.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der Fall durch Fragen rund um die Nutzung der Flugbereitschaft. NIUS berichtet unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, Pistorius werde im Anschluss an die Reise Urlaub in Australien machen; die Rückreise erfolge demnach mit einem privat finanzierten Linienflug. Für mögliche Mitflüge werde laut Ministerium ein distanzabhängiger Eigenanteil berechnet, der sich an marktüblichen Flugpreisen orientiere.
Begleitung durch die Ehefrau sorgt für zusätzliche Debatte
Nach Angaben aus dem Ministerium war Pistorius’ Ehefrau auf dem ersten Teil der Reise bis Japan dabei. Ob sie ihn auch während des anschließenden Australien-Urlaubs begleitet, blieb in den Berichten offen. Gerade diese private Komponente befeuert nun Vergleiche mit früheren Debatten um die Abgrenzung von Dienstreise und Privatvergnügen in Regierungsmaschinen.