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Startseite AktuellAusstellung an der BBS Brinkstraße soll rassistische Erfahrungen sichtbar machen
AktuellOsnabrück

Ausstellung an der BBS Brinkstraße soll rassistische Erfahrungen sichtbar machen

von Julian Dayan 6. Juni 2023
von Julian Dayan 6. Juni 2023
Eingesperrt und nichts zu lachen: Der Bauzaun als Metapher für eine einschränkende Sichtweise. / Foto: Dayan 
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Am 6. Juni präsentierte das Osnabrücker Berufsschulzentrum BBS Brinkstraße die Ausstellung „Was ihr nicht seht“. Die Ausstellung soll diskriminierenden Erfahrungen eine Bühne geben.

Je weiter andere Lebensmodelle sich von der eigenen Lebensrealität entfernen, desto mehr Stereotypen und Klischees entstehen – so weit, so logisch. Betroffene, die selbst schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben, wissen allerdings, wie entwürdigend das sein kann. Sie werden nicht als Mensch wahrgenommen, sondern in Kategorien eingeteilt: schwarz, muslimisch, kriminell, leistungsschwach. Häufig fällt dabei der Satz: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Um die entwürdigenden Begegnungen selbst sichtbar zu machen, hat Mediengestalter Dominik Lucha die Ausstellung „Was ihr nicht seht“ ins Leben gerufen.

Ausstellung holt Instagram-Aktivismus in die reale Welt

Die Inhalte von Luchas Ausstellung bilden einen Auszug seines gleichnamigen Instagram-Kanals. Dort werden rassistische Erlebnisse wiedergegeben, die tatsächlich so passiert sind. So können sich Betroffene ihre Erfahrungen von der Seele reden und gleichzeitig gegenüber anderen ein Bewusstsein für den Alltag schaffen. Der Anlass, der Lucha zu dieser Aktion inspiriert hat, war ein trauriger: die Ermordung George Floyds durch Polizeigewalt. „Der Mord war für Dominik die Initialzündung für seinen Instagram-Account. Außerdem soll er Betroffenen dabei helfen, zu verstehen, dass sie nicht allein mit ihren Erfahrungen sind“, so Andrea Bosse von der BBS Brinkstraße. Doch als Rassismusexperte sehe sich Lucha keineswegs. Vielmehr wolle er einen Anstoß geben, mehr über das Thema zu reden.

Sprache und Verhalten gehen Hand in Hand

Das Schild „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ schmückt seit circa einem halbem Jahr die Schulwand. Die Meinung über das Netzwerk spaltet jedoch die Geister: Die einen sehen es als antirassistisches Projekt, die anderen erkennen in ihm einen zahnlosen Tiger. Weitere lehnen solche Aktionen gar in Gänze ab. Laut Schulleiter Martin Henke habe das Kollegium auch versucht, geäußerte Kritik wahrzunehmen. Zum Beispiel kritisierten Schülerinnen und Schüler, dass ein Schild und sensible Sprache nichts bringen, wenn sich an der Situation selbst nichts ändere. Warum das Projekt trotzdem wichtig sei, begründete Henke mit der Macht der Sprache: „Sprache drückt die eigenen Gedanken aus, Gedanken bestimmen das Handeln.“ Dabei betont er, keine Regeln setzen zu wollen. Stattdessen wolle er Schülerinnen und Schüler dazu anregen, diese Redewendungen zu reflektieren.

Zaun als Symbol für eingeschränkten Blick

Während Lucha die Zitate und sonstige Materialien bereitstellte, überlies er die Darstellung der Schule. Lehrerinnen und Lehrer überlegten sich daher, die gezeigten Zitate an einem Bauzaun aufzuhängen. „Ein Bauzaun ist rostig und verbogen, wie jeder Mensch nicht perfekt ist, auch im Umgang mit unseren Mitmenschen“, erklärt Bosse. Zusätzlich schränke der Zaun ein, hinsichtlich bestimmter Sichtweisen seien wir oft gefangen in unseren Denkmustern. Doch auch den Betroffenen werde durch Diskriminierung der Zugang in die Mitte der Gesellschaft verwehrt. „Sie stören den Blick auf das Wesentliche.“

Diskriminierende Geschichten aus der Realität: / Foto: Dayan

Diskriminierende Geschichten aus der Realität: / Foto: Dayan

Eine Frage der Perspektive

Für Bosse sei die besondere Schwierigkeit, herauszufiltern, wohinter sich der Alltagsrassismus verstecke: „Wenn ständig Vorurteile ausgesprochen werden und Leute immer die gleichen Fragen hören, nehmen es Betroffene anders wahr. Auch wenn in der eigenen Perspektive kein Rassismus im Spruch zu erkennen ist, heißt es nicht, dass der Spruch keine rassistische Färbung hat. Vielleicht ist es auch Rassismus, wenn eine Aussage aus Dummheit oder Unwissen getroffen wird.“

Literatur könne dabei helfen, sich in andere Perspektiven hineinzuversetzen. Dominik Lucha empfiehlt dazu das Buch Exit Racism. Für Schülerinnen und Schüler, die keine Zeit für Luchas Literaturtipp haben, hat Katharina Opladen, Kulturkoordinatorin der Stadt Osnabrück, ein Angebot: „Wir bieten tolle Workshops, die einladen, Perspektiven und Rollen auszutauschen und über den eigenen Horizont hinaus zu handeln.“

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Julian Dayan

Julian Dayan ist seit dem Mai 2023 im Team der Hasepost und unterstützt die Redaktion als Praktikant.

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