Am Neujahrsmorgen fanden sich auf dem Westerberg in Osnabrück eine Handvoll engagierter Menschen zusammen, um die Hinterlassenschaften der Silvesternacht zu beseitigen. Mit Handschuhen, Müllsäcken und Greifzangen ausgestattet, sammelten sie Feuerwerksbatterien, Raketenstäbe, Böllerreste und Riesen-Wunderkerzen auf.
Eine Initiative mit Tradition
Initiiert wurde die Aktion von Karen Haunhorst, einer langjährigen Anwohnerin des Westerbergs. Für sie ist das Neujahrssammeln eine Herzensangelegenheit. Seit vielen Jahren zieht sie mal allein, mal mit anderen Engagierten los, um die Felder und Wiesen des Westerbergs von Silvestermüll zu befreien.

Karen Haunhorst (rechts) sammelt mit Kindern aus dem Stadtteil Silvestermüll auf den Feldern des Westerbergs. / Foto: Lapp
Haunhorst erklärt, warum das Sammeln notwendig ist: „Der Osnabrücker ServiceBetrieb leert zwar die Mülltonnen und reinigt die Wege auf dem Westerberg, aber was nach Silvester links und rechts der Wege auf den Feldern und Wiesen landet, bleibt oft monatelang liegen, wenn man es nicht einsammelt.“ Ihr Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie die Feierfreude der einen zur Umweltbelastung für alle werden kann. Im Vergleich zum Vorjahr, sei dieses Jahr wesentlich mehr Müll eingesammelt worden, allerdings weniger Glasflaschen, resümiert die Osnabrückerin.
Auch Kinder im Einsatz
Besonders eindrucksvoll: Auch zwei Kinder waren unter den fleißigen Helfern. Mit Begeisterung sammelten sie den Unrat ein und stießen dabei auf viel Zustimmung von Spaziergängern, die den Westerberg am Neujahrsmorgen für einen Frischluft-Ausflug nutzten. „Das ist eine tolle Aktion“, lobte ein Passant und bot den Kindern spontan Geld für ihren Einsatz an. Doch diese lehnten ab.

Die traurige Ausbeute nach zwei Stunden: Zehn große Müllsäcke voll mit Raketenstäben, Böllerresten, massenweise Feuerwerksbatterien, Sektflaschen und Verpackungsmüll. / Foto: Lapp
Ein Appell für Veränderung
Die Reaktionen der Vorbeigehenden waren durchweg positiv. Viele zeigten sich beeindruckt von der Entschlossenheit der Freiwilligen und von der Sauberkeit, die am Ende des Vormittags wieder auf dem Westerberg herrschte. Doch Karen Haunhorst würde sich freuen, wenn solche Einsätze irgendwann nicht mehr nötig wären.
„Es wäre ein großer Schritt, wenn mehr Menschen auf Feuerwerk verzichten würden oder zumindest ihren Abfall mitnehmen“, sagt Haunhorst. Mit Blick auf die Natur, die durch liegen gebliebenen Müll und Plastikreste Schaden nimmt, sei das keine große Forderung, sondern ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz.

Ohne privates Engagement würden diese Hinterlassenschaften von Silvester wohl monatelang auf den Feldern liegen, weil die Verursacher ihren Müll nicht nach Hause mitnehmen. / Foto: Lapp
Denn ein großer Teil des Silvestermülls in Osnabrück landet nicht nur auf Straßen und Plätzen, wo er relativ einfach beseitigt werden kann, sondern auch in Gewässern oder wie auf dem Westerberg ebenso auf Grünflächen, wo er kaum einzusammeln ist. Weil in Feuerwerkskörpern jedoch Plastik und viele schädliche Stoffe enthalten sind, gelangen diese in den Boden, Wasser- und Nahrungskreislauf. Dieses Jahr waren es außerdem viele Riesen-Wunderkerzen mit Widerhaken, die auf den Wiesen und Feldern zurückgelassen wurden und eine Gefahr für die Tiere des Westerbergs darstellen.

Solche Riesen-Wunderkerzen können mit ihren Widerhaken beispielsweise an Bäume oder Sträucher gehängt werden – das sieht schön aus, wenn sie abbrennen. In der Natur zurückgelassen, stellen sie jedoch eine Gefahr für Tiere dar. / Foto: Lapp