Der Exil-Verein ruft gemeinsam mit seiner Tochtergesellschaft, der Exil bewegt gGmbH, das neue Projekt „PerspektivWandler – Du in meiner Haut“ ins Leben, das bis Ende 2028 angesetzt ist. Das Projekt soll alltägliche Erfahrungen mit Rassismus verschiedener Formen in geschützten Räumen für Betroffene aufarbeiten, um durch Empowerment-Workshops Erfahrungen zu reflektieren und gemeinsam Strategien im Umgang mit Ausgrenzung zu entwickeln.
Rassismusvorfälle im Café Felka rufen zum Handeln auf
Ins Leben gerufen wird das Projekt vor allem, um den Alltagsrassismus in Deutschland sichtbar zu machen. Auch im Café Felka, Veranstaltungsort des Projekts, habe es so in jüngster Vergangenheit vermehrt rassistische Vorfälle gegenüber des Personals gegeben. „Häufig haben wir dann gespiegelt bekommen, dass das Verhalten oder die Aussagen nicht rassistisch gemeint gewesen wären. Jedoch ist es für uns wichtig klarzustellen, dass Rassismus nicht vom Absender definiert wird“, betont Exil-Geschäftsführerin Sara Josef.
Betroffene sollen aktiv Projekt gestalten
Im Zuge des Projekts werden Teilnehmende im Alter von 14 bis 27 Jahren gesucht, die selbst Rassismus, Antisemitismus oder andere Formen von Diskriminierung erleben mussten. Durch den Einsatz von Virtual Reality sollen in den Empowerment-Workshops VR-Szenarien entwickelt werden, die Rassismus aus der Perspektive von Betroffenen für die breite Öffentlichkeit sichtbar machen. Wichtig dabei ist, dass die Teilnehmenden nicht zwingend eigene Erfahrungen in der Gruppe teilen müssen, sollte dies zu schmerzhaft sein. Zudem werden die Workshops für Betroffene im geschützten Rahmen des Cafés Felka stattfinden, um zusätzlich eine angenehme und sichere Atmosphäre zu schaffen.
VR-Szenarien ermöglichen Perspektivwechsel
Genutzt werden die VR-Szenarien dann, um als mobile „PerspektivWandler-Koffer“ in Bildungskontexten wie Schulen und anderen Lernorten die Bildung im Zusammenhang mit Rassismus und Diskriminierung zu fördern. Es soll ein unmittelbarer Perspektivwechsel entstehen, der nicht nur die Empathie gegenüber Betroffenen fördern, sondern auch zu Zivilcourage ermutigen soll. Ausgeliehen werden die Koffer niedersachsenweit, wobei Schulungen und Workshops in Osnabrück stattfinden werden. Die VR-Szenarien werden durch eine Vor- und Nachbereitung von geschulten Personal begleitet, sodass Interpretationen zu den wahrgenommenen Erfahrungen fachgerecht eingeordnet werden können. „Nur so können Menschen lernen, wenn Erfahrenes in einem sicheren Austausch verarbeitet werden kann“, erzählt Ayşe-Nur Yalçınkaya.
VR-Brillen sind Türöffner
Gestaltet sind die VR-Szenarien in einer Computer-ähnlichen Optik, die durch Avatars die Szenarien darstellt. Gerade Jugendliche und Kinder sollen durch die moderne Technik angesprochen werden, sodass das Interesse und die Aufnahmefähigkeit für das komplexe Themenfeld gesteigert wird.

VR-Brille / Foto: Lilli Würdemann
Arbeit mit Virtual Reality hat sich bereits bewährt
Exil hat bereits durch das Projekt „Flucht und Klimawandel“, welches letztes Jahr auslief, die VR-Technik an Schulen eingesetzt. Im Zuge des Projekts wurden die Auswirkungen des Klimawandels gezeigt, die bereits jetzt an vielen Orten der Welt spürbar sind. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen erzählten hierbei von ihrer Fluchtgeschichte aufgrund des Klimawandels. „Auch bei diesem Projekt gab es begeisterte Rückmeldungen und eine hohe Nachfrage“ erinnert sich Sara Josef. Das Projekt „PerspektivWandler“ wird nun noch interaktiver gestaltet und soll somit die positive Resonanz einfangen.
Teilnahme von Betroffenen ist überaus erwünscht
Interessierte können sich ab sofort online anmelden. Der erste Empowerment-Workshop findet dabei am 8. und 9. April 2026 von 15:00 bis 18:00 im Café Felka statt. „Wir freuen uns, über jeden der sich für die Empowerment-Workshops anmeldet“, betont einer der Initiatoren. „Wir erhalten bereits von einigen Jugendeinrichtungen das Feedback, dass großes Interesse entsteht.“ Insgesamt wird es bis Ende 2028 zehn solcher Workshops geben, bei denen Antischwarzer Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Antimuslimischer-Rassismus aufgearbeitet wird.
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