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Startseite AktuellHabe ich einen Vorteil, wenn ich auf dem Westerberg wohne? – Ein Kommentar
AktuellKommentarMeinung & KolumneOsnabrück

Habe ich einen Vorteil, wenn ich auf dem Westerberg wohne? – Ein Kommentar

von Jasmin Schulte 21. April 2018
von Jasmin Schulte 21. April 2018
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Diese These ist durchaus provokant, könnte aber durch jeden anderen Stadtteil ersetzt werden. Osnabrücker werden aufgrund des Stadtteils, in dem sie wohnen abgestempelt. Die Frage, woher dieses Scheuklappendenken kommt, wird wohl nie zu beantworten sein. Trotzdem ist es Fakt, dass es über jeden Stadtteil einige Vorurteile gibt.

So soll der Westerbergler fünf Porsche in den verschiedensten Farben haben und die Mitmenschen aus Eversburg oder Schinkel können sich nur mit dem Fahrrad bewegen, weil für ein Auto kein Geld da ist. Es tut mir leid, dass jetzt so sagen zu müssen, aber das ist wohl wirklich großer Schwachsinn. Ein Mensch sucht sich nicht den Wohnort nach seinem Einkommen aus. Frei nach dem Motto: Ich habe Geld, ich ziehe auf den Westerberg. Den Bürger verschlägt es mittlerweile, aufgrund der heiklen Wohnungssituation in Osnabrück, wohl eher dahin, wo gerade ein Zimmerchen frei wird. Hätten wir diese prekäre Situation nicht, wird der normale Menschenverstand das Fleckchen in Osnabrück auswählen, bei dem sein Herz aufgeht. Vielleicht wohne ich in der Dodesheide einfach deshalb, weil es dort schön ist. Ohne zu pauschalisieren – aber ich vermute doch, dass ein jeder, der mit seiner Wohnungssituation halbwegs zufrieden ist, dort wohnt, wo er sich wohl fühlt. Und gerade deshalb kann ich die Attribute, die Menschen zugeordnet werden, weil sie lediglich in einem bestimmten Teil von Osnabrück wohnen, absolut nicht nachvollziehen.

Jeder Stadtteil besitzt seine kleinen Schandflecken. Man muss nur damit umzugehen wissen. Ständig hört man in Gesprächen so etwas wie: „Ach der vom Westerberg? Typisch reich.“ oder „In Pye? Die Bauern?“ Leider Gottes muss ich hier die typischen Kandidaten Westerberg, Schinkel und Eversburg aufzählen, weil diese Stadtteile deutlich klischeebehafteter sind als zum Beispiel die Dodesheide. Es wird wahrscheinlich ganz stark davon abhängen, ob man aus Nord-, Ost-, Süd- oder West-Osnabrück kommt, welche Beispiele für Schubladendenken einem in den Sinn kommen. Für mich sind diese drei Stadtteile ganz präsent.

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Ich möchte hier keineswegs ein Moralapostel sein, sondern einfach mal zum Nachdenken anregen. Vorurteile, Klischees, Schubladendenken – das sind die Probleme der westlichen Gesellschaft. Deshalb leidet die Sozialkompetenz in vielen Bereichen Deutschlands, deshalb gibt es so wenig Miteinander. Vielleicht sollten wir diesen anscheinend vorherrschenden Zwang, die Menschen einzuteilen, einmal abschalten und den Menschen mit einer offenen Haltung begegnen. Wir schalten Vorurteile, bevor sich unser individuelles Gegenüber überhaupt „beweisen“ kann. Denn jeder Mensch, unabhängig wo er wohnt, selbst wenn wir es in so einem kleinen Rahmen wie Stadtteilen sehen, hat seine ganz eigene Art und die ist bestimmt nicht von seinem Lebensraum abhängig. Leider gibt es immer einige Wenige, die das Klischee erfüllen, aber wie gesagt, das sind Wenige. Immer öfter scheint es aber bequemer zu sein, das Klischee auf die Allgemeinheit bzw. die Gruppe zu übertragen und zu pauschalisieren. Jeder ertappt sich mal dabei, in ein solches Schubladendenken zu verfallen, aber genau an dieser Stelle muss  angesetzt und umgedacht werden.

 


Zum Thema: Heißt es „im“ oder „in“ Schinkel?

 

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Jasmin Schulte

Jasmin Schulte begann im März 2018 als Redakteurin für die Hasepost. Nach ihrem Studium der Germanistik und der Politikwissenschaft an der Universität Vechta absolvierte sie ein Volontariat bei der Hochschule Osnabrück. Weitere Stationen führten sie zu Tätigkeiten bei einer lokalen Werbeagentur und einem anderen Osnabrücker Verlag. Seit März 2022 ist Jasmin Schulte zurück bei der HASEPOST und leitet nun unsere Redaktion. Privat ist Jasmin Schulte als Übungsleiterin tätig, bloggt über Literatur und arbeitet an ihrem ersten eigenen Roman.

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