Am 22. März um 11:30 Uhr wird die Ausstellung „Van den Yoden“ als Sonderausstellung im Museumsquartier Osnabrück eröffnet. Die Sonderausstellung zeigt anhand von lokalen Exponaten die tiefe Verwurzelung des heutigen Antisemitismus im historischen Antijudaismus. Dieser wurde auch alltäglich in Osnabrück durch die christliche Mehrheitsgesellschaft im Spätmittelalter gelebt.
Jüdisches Leben in Osnabrück im Spätmittelalter
2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück vor 600 Jahren und soll somit als Anlass genommen werden, diese Geschichte Osnabrücks von Hass und Misstrauen trotz christlich-jüdischen Miteinanders aufzuzeigen. Nachdem die Jüdinnen und Juden im Jahr 1309 vom Osnabrücker Bischof für den Geldverleih in die Stadt geholt wurden, wurden sie während des Pestpogroms von 1350 von der christlichen Mehrheitsgesellschaft brutal ausgerottet. Eine neue jüdische Gemeinde in der Osnabrücker Neustadt entstand zwar wenige Jahre später, kam um 1426 durch die Veränderung des Geldwesens nach 1400 jedoch zum Ende. Sesshaftigkeit jüdischen Lebens entstand daraufhin erst wieder im 19. Jahrhundert.
Aktuelle Lage braucht Auseinandersetzung mit Antisemitismus
Die Sonderausstellung „Van den Yoden“ soll die Zeit des christlich-jüdischen Miteinanders in Osnabrück nun neuer beleuchten. Gleichzeitig werde ein Raum geschaffen, in dem Dialog und Austausch zum aktuellen Aufschwung antisemitischerVorfälle stattfinden kann. Der Direktor des Museumsquartiers, Nils-Arne Kässens, betont im Vorfeld der Ausstellung ihre Wichtigkeit angesichts der aktuellen Reihe an Antisemitismus-Vorfällen in Deutschland. „Wenn das Wort ‚Jude‘ wieder auf Schulhöfen zum Schimpfwort wird, wenn jüdische Gemeinden und Menschen mit der Angst vor Anfeindungen leben, dann ist die Auseinandersetzung mit dem Ursprung des Antisemitismus umso wichtiger“, mahnt Kässens.
Kurator Dr. Thorsten Heese führt zur der von ihm mit gestalteten Ausstellung aus, dass anhand von historischen Exponaten die tiefe Verwurzelung des Antijudaismus in Osnabrück gezeigt werden soll. „Van den Yoden“ stellt dabei auch einen Aufruf an die Stadtgesellschaft Osnabrücks dar, sich durch die historischen Perspektiven besser mit aktuellen Themen und Konfliktfragen zum Antisemitismus auseinandersetzen zu können. Die Frage, wie das christlich-jüdische Miteinander in Osnabrück im Spätmittelalter funktionierte, ist besonderer Fokus der Ausstellung. Heese zeigt auf, dass man sich einerseits hasste, aber trotzdem nebeneinander im Alltag her lebte. Dies wird in der Ausstellung durch spannende Originale des Spätmittelalters dargestellt.
Lernlabor macht Interaktion möglich
Auch ein Lernlabor ist der historischen Sonderausstellung angehangen. In diesem Lernlabor kann sich interaktiv der Frage angenähert werden, wie diese historische Verwurzelung des Antijudaismus auch uns als Stadtgesellschaft und Privatpersonen noch beeinflusst. Die Erfahrung solle so über den Ausstellungsbesuch hinaus gehen. Da Antisemitismus ein Thema sei, mit dem man sich immer wieder auseinandersetzen und selbst hinterfragen müsse. Um diese Auseinandersetzung weiter anzuregen, ist ein reges Begleitprogramm zur Ausstellung mit Stadtrundgängen, Workshops sowie Vorträgen geplant. Dies kann bei Interesse online abgerufen werden oder vor Ort gefunden werden.
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück - Innenstadt finden Sie hier.