Deutschlands Krankenkassen fordern von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ein entschiedeneres Vorgehen gegen steigende Arzneimittelpreise. GKV-Spitzenverbandschef Oliver Blatt kritisiert, die Politik sei bislang zu zaghaft gewesen und die Argumente der Pharmabranche gegen Preissenkungen seien vorgeschoben.
Krankenkassen mahnen Eingreifen gegen hohe Arzneimittelpreise an
Vorstandsvorsitzender Oliver Blatt vom GKV-Spitzenverband warf der Politik in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zu zurückhaltendes Handeln vor. „Die Arzneimittelpreise bei uns sind schon die höchsten hinter denen der USA. Wenn es darum geht, daran etwas zu ändern, war die Politik bislang zu zaghaft“, sagte Blatt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Auf die Frage, ob ein Drücken der Preise möglich sei, ohne die Hersteller zu vertreiben, antwortete Blatt: „Ein klares Ja! Es ist Quatsch zu behaupten, dass hohe Preise dafür sorgen würden, dass mehr in Deutschland produziert wird.“ Schon heute ließen deutsche Konzerne in China oder Indien produzieren. „Das Argument der Pharmalobby ist nur vorgeschoben“, so Blatt gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Expertenkommission und mögliche höhere Zuzahlungen
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat eine Expertenkommission eingesetzt, die bereits bis Ende März Vorschläge zu Einsparungen bei der Gesundheitsversorgung vorlegen soll. Auch Warken hatte kürzlich betont, man müsse die Arzneimittelkosten „in den Griff bekommen“, schließt bislang aber auch höhere Zuzahlungen der Patienten nicht aus.
Steigende Ausgaben und Kritik an der Pharmabranche
Für Arzneimittel gaben die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr nach Angaben Blatts 58,5 Milliarden Euro aus, mehr als für die ambulante ärztliche Versorgung. „Bei neuen Medikamenten sind die täglichen Kosten pro Patient seit 2012 um 180 Prozent gestiegen. Wir haben mehr als 40.000 Patienten, die Arzneimittel im Wert von mehr als 100.000 Euro pro Jahr bekommen“, erläuterte Blatt gegenüber „NOZ“. „Das alles spricht dafür, die Pharmabranche bei den im gesamten Gesundheitssystem notwendigen Einsparungen zu beteiligen. Und das ist möglich, ohne die Industrie zu vertreiben.“
Auch das Argument, Preisdeckel verschlimmerten die wiederkehrenden Versorgungsengpässe, wies der GKV-Chef zurück. „Noch höhere Preise führen nicht zu einer noch besseren Versorgungslage. Außerdem handelt es sich fast immer um Lieferengpässe, die dann durch andere Medikamente ausgeglichen werden. Die Versorgung ist also gewährleistet“, sagte er. Zudem gebe es in Deutschland einen echten Spitzenwert: „Schon 52 Tage nach Erstzulassung sind neue Mittel allen 75 Millionen gesetzlich Versicherten zugänglich. Der Markt ist gut ausfinanziert. Am Geld mangelt es nicht, im Gegenteil.“
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