Angesichts der angespannten Lage auf den Energiemärkten sprechen sich führende Ökonominnen und Ökonomen für den Einsatz strategischer Öl- und Gasreserven aus. Die Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft, Monika Schnitzer, und der neue Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr halten koordinierte Freigaben der Vorräte für ein geeignetes Mittel, um kurzfristige Preisspitzen zu dämpfen.
Strategische Reserven für Krisensituationen
Die Vorsitzende des Sachverständigenrats Wirtschaft Monika Schnitzer plädiert angesichts der volatilen Lage auf den Energiemärkten für eine Freigabe der strategischen Ölreserven in den G7-Staaten. „Die Ölreserven der G7 sind genau für solche Krisensituationen als strategische Reserve aufgebaut worden, um bei schweren Versorgungsstörungen eingreifen zu können“, sagte Schnitzer dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Schon in früheren Krisensituationen seien diese Reserven eingesetzt worden, um das Angebot kurzfristig zu erhöhen und damit die Preise zu stabilisieren. „Die aktuellen Überlegungen, dies auch jetzt zu tun, sind also folgerichtig“, sagte die Wirtschaftsweise weiter („Redaktionsnetzwerk Deutschland“).
Gleichzeitig warnte die Ökonomin vor überhöhten Erwartungen an den Umfang der Vorräte. Die Reserven sollten einen Bedarf in Höhe der Nettoimporte von 90 Tagen abdecken. „Es kann also nur darum gehen, kurzfristige Preisspitzen auszugleichen, nicht darum, einen längerfristigen Preisanstieg zu neutralisieren“, sagte Schnitzer („Redaktionsnetzwerk Deutschland“).
Ökonomen fordern politische Eingriffe
Auch der neue Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr empfiehlt, politische Eingriffe in die Energiemärkte zu prüfen, um die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs abzufedern. „Man sollte zum Beispiel darüber nachdenken, strategische Reserven im Öl- und Gasbereich anzuzapfen“, sagte Felbermayr dem „Tagesspiegel“. „Bringt man sie koordiniert auf den Markt, erhöht das kurzfristig das Angebot und drückt den Preis“, so Felbermayr weiter („Tagesspiegel“).
Unterschiedliche Reservebestände in den Staaten
Viele OECD-Staaten verfügen nach Angaben der Ökonomen über strategische Reserven. Deutschland hält bei Öl nur die gesetzlich vorgeschriebene Menge von rund 23 Millionen Tonnen, bei Erdgas quasi keine. Österreich dagegen schon. „Das ginge aber nur koordiniert, vor allem mit den USA“, sagte Felbermayr dem „Tagesspiegel“. Einzelne Staaten kämen gegen den Weltmarkt kaum an.
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