In Deutschland haben nach aktuellen Daten mehr als 13 Prozent der Menschen in den vergangenen zwölf Monaten Diskriminierung erlebt. Das entspricht nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes rund neun Millionen Erwachsenen. Besonders betroffen sind Menschen mit Migrationshintergrund, Muslime, Personen mit Behinderungen sowie trans-, inter- und nicht-binäre Menschen. Die Studie verweist zudem auf gravierende Folgen für Gesundheit, Lebenszufriedenheit und Vertrauen in den Staat.
Mehr als neun Millionen Betroffene in zwölf Monaten
Diskriminierung ist in Deutschland offenbar weit verbreitet. Wie die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Dienstag unter Berufung auf Daten aus der Hauptbefragung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) mitteilte, haben mehr als 13 Prozent der Menschen in Deutschland in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung erfahren zu haben. Umgerechnet auf die erwachsene Bevölkerung entspricht das rund neun Millionen Menschen.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen. Menschen mit Migrationshintergrund berichten deutlich häufiger von Diskriminierung als Menschen ohne Migrationshintergrund. Besonders Muslime und Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind, melden Diskriminierungserfahrungen. Auch Frauen, trans- und inter-geschlechtliche sowie nicht-binäre Personen, Menschen mit Behinderungen oder chronisch Erkrankte erleben überdurchschnittlich häufig Diskriminierung.
Belastende Folgen und geringes Vertrauen in Schutzmechanismen
Die Studie zeigt zudem die Folgen von Diskriminierung auf: Betroffene berichten von schlechterer Gesundheit, geringerer Lebenszufriedenheit, psychischer Belastung und einem sinkenden Vertrauen in den Staat. Gleichzeitig sieht die Mehrheit der Betroffenen (56 Prozent) offenbar keinen Sinn darin, gegen Benachteiligungen aktiv zu werden. Das deutet laut Antidiskriminierungsstelle auf ein mangelndes Vertrauen in den gesetzlichen Diskriminierungsschutz hin.
Diskriminierung findet der Befragung zufolge in nahezu allen Lebensbereichen statt, besonders oft im öffentlichen Raum, beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, im Arbeitsleben, im Gesundheits- und Pflegebereich, in der Schule, im Kontakt mit Behörden und Polizei sowie bei der Wohnungs- und Haussuche statt.
Lücken im Schutz durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz
Die Studie zeigt, dass Diskriminierung oft in Bereichen stattfindet, in denen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kaum oder gar nicht schützt – etwa auf der Straße oder beim Kontakt mit dem Staat. So berichtet fast jede fünfte Person von Benachteiligungen durch Ämter, Behörden oder Polizei. Auch Menschen mit geringen Einkommen, ohne deutschen Pass oder Personen, die ihre Angehörigen pflegen oder Kinder betreuen, sind besonders gefährdet, diskriminiert zu werden.
Die Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman fordert deshalb, die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform des AGG zügig umzusetzen. Außerdem bräuchten Betroffene mehr Unterstützung, um gegen Diskriminierung auch tatsächlich vorgehen zu können: „Viele Menschen machen Diskriminierung mit sich allein aus – auch weil es zu wenig Beratung gibt, die rechtliche Lage nicht bekannt ist und das Recht es Menschen oft schwer macht, sich zu wehren. Wir brauchen deshalb mehr Unterstützung, Aufklärung und Sensibilisierung. Es ist höchste Zeit, die Menschen in Deutschland besser vor Diskriminierung zu schützen.“ (Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
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