Ob die surrende Mücke nachts oder die Wespe im Sommer – Begegnungen zwischen Mensch und Insekt sind meist negativ und auch sehr oberflächlich. Die Sonderausstellung „Facettenreiche Insekten – Vielfalt | Gefährdung | Schutz“ vom 7. Februar bis zum 12. Juli bringt eine nähere Auseinandersetzung mit Insekten, ihrer lebenswichtigen Funktionen und der Gefährdung ihres Lebensraumes.
Wie es zu der Ausstellung kam
Nach der Wiedereröffnung des Museums ist das nun die zweite Sonderausstellung nach einer Pause, aber jetzt ist der Museumsalltag wieder im Gange. Es handelt sich hierbei um eine Wanderausstellung, die das Museum auch sehr früh gebucht hat. Allein der Transport der Exponate war so komplex und durch die Glätte erschwert, dass gleich zwei LKWs kommen mussten, um die Stücke zu liefern. Finanziell wird die Ausstellung von der Stiftung der Sparkasse Osnabrück, von der Niedersächsichen Bingo-Umweltstiftung und von der Haarmann Stiftung Natur und Umweltmöglich gemacht.
Jan Hendrik Hoerner, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Sonderausstellung, erklärt, dass die Ausstellung aus acht Modulen besteht, die den Aufbau und Merkmale von Insekten, die Lebensräume der Insekten, die Insektenforschung, die Ökosystemleistung, den auch regionalen Insektenrückgang, die Krefeld Studie, die als erstes den Insektenschwund belegt hat, die Gründe für den Insektenschwund und eine insektenfreundliche Landwirtschaft und Gärten zeigt.

Fotografie-Ausstellung von Janosch Waldkircher. / Foto: Laura Hilgert
Ergänzt wird sie durch eine Fotografie-Ausstellung „Wenn das Summen verstummt – Gigapixel-Fotografie einer verborgenen Welt“ von Janosch Waldkircher. Die faszinierenden Bilder bestehen aus mehreren Einzelfotos, damit die Insekten auf allen Ebenen so präzise fokussiert sind, dass es im Realleben so nicht zu sehen gibt. „Eine Ergänzung, die die Ausstellung rund macht“, erklärt Norbert Niedernostheide, Direktor des Museums am Schölerberg.
Kleine, aber lebenswichtige Lebewesen
Insgesamt machen Insekten 75 Prozent der Tierarten aus und zahlenmäßig gibt es mehr Insekten als andere Tiere auf der Welt. Sicher wissen Forscherinnen und Forscher von 1 Million Insektenarten, doch schätzungsweise sind es tatsächlich bis zu 5 Millionen Arten und es werden jährlich mehr entdeckt. Außerdem gibt es auch Variation innerhalb der Arten. Vieles bleibt dabei ein Mysterium. „Wir leben in einer Welt der Insekten“, so Hoerner.

Die Auswirkungen vom Blütenbestäuben auf unsere Lebensmittel. / Foto: Laura Hilgert
Der Insektenschwund betrifft dabei auch alle Menschen, denn sie haben wichtige Funktionen. Sie beeinflussen beispielsweise unsere Lebensmittel durch das Bestäuben der Blüten. Gleichzeitig sind sie natürlich Teil der Nahrungskette, womit sie Auswirkungen auf alle Lebewesen haben. Sie sind auch bekannt als „Aufräumer der Natur“, so in der Ausstellung, da sie sich unter anderem von Kadavern ernähren und so Krankheiten verhindern können.
Schutz ihres Lebensraums
Daher zeigt die Ausstellung auch, wie ihr Lebensraum geschützt werden kann. Statt Asphalt und Rasenfläche sollte mehr auf ein natürliches Milieu gesetzt werden. Außerdem können Gärtnerinnen und Gärtner totes Holz länger im Garten liegen lassen, um Insekten zu beherbergen. Auch sehr schädlich ist die Lichtverschmutzung durch Laternen am Straßenrand, dessen Lichtkegel in die Höhe anstatt nur nach unten zeigt, und allgemein Städte, die durchgehend beleuchtet sind.
Ein vielfältiges Programm
Die Ausstellung hat auch interaktive Elemente, die die Welt der Insekten näherbringen. Unter anderem können die Besuchenden sich das Zirpen von Insekten anhören und mit dem Mikroskop einen detaillierten Blick auf echte Insekten werfen.

Ein detaillierter Blick auf Insekten durch ein Mikroskop. / Foto: Laura Hilgert
Am Freitagabend, den 6. Februar, findet eine feierliche Eröffnung mit Eröffnungsrede statt. Im Rahmen der Sonderausstellung gibt es ab dem 7. Februar vier Vorträge, unter anderem im Bereich der Kriminologie, Workshops, einen Fotowettbewerb und pädagogische Veranstaltungen, die insgesamt sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene ansprechen.
Neue Perspektive bieten
Ziel der Sonderausstellung ist es, durch verschiedene Ansätze einen anderen Blick auf die sonst oft übersehenen Tiere zu zeigen, der möglicherweise weniger egoistisch ist und ihre Bedeutung im Ökosystem unterstreicht. „Nur was man kennt, kann man schützen“, sagt Niedernostheide.