Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) fordert den Aufbau einer europäischen Atombombe. Angesichts einer aus seiner Sicht ungewissen US-Schutzgarantie plädiert er für mehr Abschreckungskraft Europas und lehnt eine rein nationale atomare Bewaffnung Deutschlands ab.
Fischer: Europa braucht eigene nukleare Abschreckung
Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) spricht sich für die Entwicklung einer europäischen Atombombe aus. „Europa muss das machen“, sagte Fischer dem „Tagesspiegel“ (Donnerstagausgabe). Die US-Schutzgarantie sei „ab sofort ungewiss“.
Eine eigenständige deutsche Atombewaffnung lehnt Fischer hingegen klar ab. „Eine der wichtigsten Lehren aus der deutschen Geschichte ist für mich, dass Deutschland zwar in der Verantwortung steht, eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen, aber immer gemeinsam mit den anderen“, so Fischer gegenüber dem „Tagesspiegel“.
Warnung vor Illusion vom ewigen Frieden
Europa habe sich nach Fischers Einschätzung zu lange in Sicherheit gewiegt. Man sei zu lange der Illusion vom angeblich ewigen Frieden in Europa aufgesessen. „Wie können Sie einen aggressionsbereiten Nachbarn davon abhalten, Sie zu überfallen? Nur durch Stärke und Abschreckung“, sagte er dem „Tagesspiegel“.
Plädoyer für Wehrdienst in unsicheren Zeiten
Fischer verwies zudem auf die veränderte sicherheitspolitische Lage. Wäre er heute jung, würde er Wehrdienst leisten, so Fischer im „Tagesspiegel“. „Die Zeit ist eine andere. Wir werden bedroht. Wir müssen uns verteidigen.“