Chinas Wirtschaft ist 2025 nach offiziellen Angaben um fünf Prozent gewachsen, doch Experten halten diese Stabilität für trügerisch. Der frühere Chef der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, sieht das Wachstumsziel der Regierung als politisch motiviert und warnt vor strukturellen Problemen. Seinen Einschätzungen zufolge liegt das tatsächliche Wachstum deutlich niedriger und belastet die wirtschaftliche wie außenpolitische Entwicklung des Landes.
Zweifel an Wachstumszahlen und Datenqualität
Der langjährige Chef der Europäischen Handelskammer in China, Jörg Wuttke, bezeichnet das Fünf-Prozent-Wachstumsziel der chinesischen Regierung als politisch motiviert. „Realistisch sind eher zwei bis drei Prozent“, sagte er dem „Handelsblatt“ (Donnerstagausgabe). Als Gründe nannte er das rapide Altern der Bevölkerung, hohe Kredite und einen schwachen Immobiliensektor, der früher 20 bis 25 Prozent der Wirtschaftsleistung ausgemacht habe.
Wuttke kritisiert zudem die Qualität der offiziellen Daten. „Je zentraler das System wird, desto schlechter werden die Zahlen. Solange sie gut aussehen, reichen sie“, sagte er dem „Handelsblatt“. Aus seiner Sicht spiegelt dies eine zunehmende Diskrepanz zwischen statistischer Darstellung und wirtschaftlicher Realität wider.
Schwacher Konsum und Kapitalabflüsse
Nach Einschätzung Wuttkes kann auch der Konsum die Wirtschaft nicht stabilisieren. Viele Chinesen sparten aus Angst, und große Vermögen verließen das Land, erklärte er dem „Handelsblatt“. Dadurch fehle eine wichtige Stütze für das Wachstum, während zugleich Kapitalabflüsse die wirtschaftliche Entwicklung belasteten.
Innenpolitische Schwäche und außenpolitische Risiken
Die von Wuttke beschriebene innenpolitische Schwäche Chinas hat nach seinen Worten auch außenpolitische Folgen. Die Risikobereitschaft Peking, etwa gegenüber Taiwan, sei gestiegen, sagte er dem „Handelsblatt“. Zugleich sei die Armee zwar modernisiert, aber institutionell fragil.
Für europäische Unternehmen ergebe sich daraus ein Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken. Es gelte, die Möglichkeiten auf dem chinesischen Markt zu nutzen, sich zugleich aber vor Abhängigkeiten zu schützen. „Wer in China nicht lernt, verliert, wer nur auf China setzt, auch“, sagte Wuttke dem „Handelsblatt“.