Der Dax hat am Freitagmorgen einen neuen Erholungsversuch gestartet und notierte gegen 9:30 Uhr bei rund 23.120 Punkten, 1,2 Prozent über dem Schlussniveau vom Vortag. Trotz der Kursgewinne bleibt die Stimmung an den Märkten laut Experten angesichts des Iran-Kriegs und möglicher Zinserhöhungen verhalten.
Dax erholt sich nach neuem Tief
Der deutsche Leitindex wurde am Freitagmorgen mit rund 23.120 Punkten berechnet. Damit lag der Dax gegen 9:30 Uhr um 1,2 Prozent über dem Schlusskurs des Vortags. An der Spitze der Kursliste rangierten Infineon, Heidelberg Materials und Bayer, am Ende Qiagen, die Deutsche Börse und Scout24.
Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, sagte laut Consorsbank: „Der Dax könnte sich heute etwas erholen.“ Vor einem weiteren unberechenbaren Kriegswochenende im Mittleren Osten dürfte die Risikobereitschaft der Anleger aber nach seiner Einschätzung „ziemlich begrenzt“ bleiben. „Deutschland ist im Allgemeinen als Energieimporteur und der Dax im Speziellen als zyklischer Index besonders anfällig für die Folgen des Iran-Kriegs – ohne dass es einzelne Zugpferde im Leitindex gäbe, die den Markt stabilisieren könnten.“ Nach fast drei Wochen des Konflikts im Mittleren Osten reife laut Stanzl die Gewissheit, „dass selbst ein schnelles Kriegsende keine direkte Rückkehr zum Status Quo bedeuten werde“. Der Krieg werde um Monate nachwirken.
Analyst: Trend nach unten vorerst intakt
Der Dax hatte am Vortag ein neues Tief ausgebildet. „Damit wurden die Stabilisierungsversuche der vergangenen zwei Wochen zunichtegemacht“, so Stanzl weiter. „Das neue Tief verzögert die Fähigkeit des Index, einen Boden auszubilden, mindestens um drei bis vier weitere Wochen. Und das wäre nur der Best Case: Ein neues Tief ist erst einmal ein Signal für eine Trendfortsetzung nach unten.“
Für eine nachhaltige Stabilisierung sieht Stanzl zusätzlichen Auftrieb als notwendig: Nun benötige der Dax einen Impuls nach oben als erste Zutat für eine Bodenbildung. „Woher dieser aber kommen soll, ist bislang völlig unklar.“
Sorge vor längerem Iran-Krieg und höheren Zinsen
Nach Einschätzung des Chefmarktanalysten gibt es zudem „offenbar eine wachsende Zahl von Anlegern, die beginnen, von einem längeren Iran-Krieg auszugehen“. Viele Marktteilnehmer würden daher zunehmend Liquidität bevorzugen: „Cash ist ebenfalls eine Position – und eine zunehmende Zahl von Marktteilnehmern scheint sich mit diesem Gedanken immer mehr anzufreunden“, so Stanzl.
Gleichzeitig verweist Stanzl auf die Zinspolitik: „Parallel wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB im kommenden Monat die Zinsen anhebt. Auch in den USA könnte die Notenbank beginnen, den Boden für eine spätere Erhöhung zu bereiten, wenn der Arbeitsmarkt dort stabil bleibt.“ Die Aussicht auf höhere Zinsen „schmälere die Risikobereitschaft für die Aktien- und erhöhe die Attraktivität der Zinsanlage“.
Euro schwächer, Ölpreis deutlich unter Druck
Die europäische Gemeinschaftswährung zeigte sich am Freitagmorgen etwas schwächer. Ein Euro kostete 1,1575 US-Dollar, ein Dollar war dementsprechend für 0,8639 Euro zu haben.
Der Ölpreis sank unterdessen deutlich. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete gegen 9 Uhr deutscher Zeit 106,90 US-Dollar; das waren 172 Cent oder 1,6 Prozent weniger als am Schluss des vorherigen Handelstags.
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