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Startseite Aktuell„Im Ernst am Sonntag“: Lebensgefährlicher Leichtsinn – Radfahrer brauchen mehr Kontrollen
AktuellGlosseMeinung & Kolumne

„Im Ernst am Sonntag“: Lebensgefährlicher Leichtsinn – Radfahrer brauchen mehr Kontrollen

von Wolfgang Niemeyer 9. Mai 2021
von Wolfgang Niemeyer 9. Mai 2021
Polizei auf Fahrradstreife
33

Über Deutschland wurde vor kurzem die sogenannte Bundesnotbremse verhängt. Begründung hierfür war, dass sich zu viele Menschen nicht an Corona-Regeln und Kontaktbeschränkungen halten würden. Eine Nachfrage des FDP-Politikers Wolfgang Kubicki beim Bundesgesundheitsministerium hat nun ergeben, dass für diese Behauptung keinerlei belastbare Zahlen oder Studienergebnisse vorliegen.

Eine Glosse unserer neuen Reihe „Im Ernst am Sonntag“ von Wolfgang Niemeyer

Aus einem bloßen Bauchgefühl heraus wird ein sowieso schon unerträglich strenger Lockdown weiter verschärft und das soziale und wirtschaftliche Leben der Bevölkerung auf ein Minimum begrenzt. Alles natürlich für eine gute Sache: den Schutz der Gesundheit. Es wäre trotzdem schön gewesen, wenn Angela Merkel, Jens Spahn, Helge Braun und die anderen für die Bundesnotbremse verantwortlichen Politiker sich vor umfassenden Eingriffen in die bürgerlichen Grundrechte zunächst mal informieren würden, ob ihr Handeln auf überprüfbaren Erkenntnissen beruht. So bleibt an der Bundesnotbremse immer der Ruch der politischen Taktiererei und des Denkzettels für ungehorsame Ministerpräsidenten haften.

Zahlen über Radfahrer-Fehlverhalten sind eindeutig

Besser macht es hingegen die Polizeidirektion Osnabrück. Sie hat am Mittwoch dieser Woche im Gebiet zwischen Glandorf (Südkreis Osnabrück) und Norderney (Ostfriesische Inseln) knapp 600 Fahrradfahrer kontrolliert. Dabei kam sie zu erschreckenden Ergebnissen: bei 386 von 594 Kontrollen wurden teils erhebliche technische Mängel an den Zweirädern und/oder ein gravierendes Fehlverhalten des Radfahrers festgestellt. Unter anderem wurden rote Ampeln ignoriert, Verkehrsflächen unbefugt genutzt, entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung gefahren sowie mitten im Verkehr munter mit dem Mobiltelefon hantiert.

Nur „Bundesfahrradnotbremse“ kann noch helfen!

Diese Zahlen und Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung sprechen eine deutliche Sprache: zwei Drittel der Radfahrer in unserer Region gefährden während ihrer Verkehrsteilnahme Leib und Leben von sich und anderen. Dieser unverantwortliche Leichtsinn muss fortan spürbare Konsequenzen haben. Zunächst sollte bis Ende des Jahres eine sogenannte Bundesfahrradnotbremse verordnet werden.

Von 05-22 Uhr dürfen Radfahrer nicht am Verkehr teilnehmen. In dieser Zeit müssen sie darüber nachdenken, ob ihr Verkehrsverhalten in der Vergangenheit dem allgemeinen Gesundheitsschutz zuträglich war. Als alternative Verkehrsmittel stehen ihnen nun tagsüber die Nutzung eines privaten PKW oder der ÖPNV zur Verfügung. Im Zweifelsfall können sie auch zu Fuß gehen. Diese harte Maßnahme ist leider unerlässlich, weil hier im Gegensatz zur Corona-Bundesnotbremse endlich mal belastbare Datensätze zur Verfügung stehen, die ein sofortiges Handeln erforderlich machen.

Als Kompensation für die zu befürchtenden finanziellen Einbußen können den ehemaligen Radfahrern großzügige Kontingente an Busfahrkarten oder Benzingutscheinen ausgegeben werden. Wer sich verpflichtet, in Zukunft ausschließlich mit dem Auto am Verkehrsgeschehen teilzunehmen, bekommt einen Neuwagenrabatt von 20%. So hilft man als Ex-Radfahrer neben dem Eingeständnis des eigenen Fehlverhaltens gleichzeitig der siechen Automobilindustrie und subventioniert den durch Corona arg leidenden öffentlichen Nahverkehr. 

Kostenlose Schnelltests für alle Fahrradfahrer

Es gibt also viele gute Möglichkeiten und Ideen, um in der Zeit nach Corona für eine nachhaltige Verkehrswende zu sorgen. Die Bundesfahrradnotbremse ist sicherlich nur eine davon und möglicherweise noch nicht ganz ausgereift und zu Ende gedacht.
Nach deren Auslaufen sollten bundesweit Fahrradtestzentren eingerichtet werden, wo sich die Leute, die ihr Fahrrad tagsüber wieder nutzen wollen, mindestens zweimal in der Woche einzufinden haben, um sicherzustellen, dass sie und ihr Gefährt nicht mehr länger eine allgemeine Gefahr darstellen. Die Kosten hierfür übernimmt selbstverständlich der Bund. Denn zum Wohle der Menschheit und zur Vermeidung einer Überlastung des öffentlichen Gesundheitssystems darf kein Geistesblitz ungenutzt liegen bleiben und kein Preis zu hoch sein.

Notbremsen sind auf diesem Weg erst der Anfang. Am Ende stehen immer Verbote!

 

 


Hier finden Sie demnächst alle bislang erschienenen Beiträge unserer Kolumne “Im Ernst am Sonntag”.

[Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie es bis hier ganz unten geschafft haben. Ein paar Zeilen weiter finden Sie noch den obligatorischen Hinweis, dass gekennzeichnete Satire-Beiträge stets ausschließlich die Meinung des Autors wiedergeben. Aber ich möchte diesem förmlichen Disclaimer noch etwas hinzufügen. Natürlich haben Sie, wie auch ich und jeder andere Leser, eine eigene Meinung. Vielleicht weicht Ihre Meinung fundamental von diesem oder einem anderen bei uns veröffentlichten Kommentar ab, vielleicht stimmen Sie aber auch vollkommen zu oder aber Ihre Meinung ist „irgendwo dazwischen“.

Satire darf vielleicht nicht immer alles, aber sicherlich kann eine Glosse oder ein satirischer Beitrag in der Hasepost dabei helfen neue Gedanken zu denken oder bestehende An- und Einsichten nochmals zu überdenken, dann haben wir und unsere Autoren etwas richtig gemacht und ganz generell zum Denken angeregt.

„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten” (C. G Jung).
Bitte denken Sie mehr, Ihr Heiko Pohlmann.


Als Kommentar, Kolumne, Meinungsbeitrag, Glosse oder Satire gekennzeichnete Beiträge geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

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Wolfgang Niemeyer

Wolfgang Niemeyer ist freier Autor der HASEPOST und ein Kenner der Hasestadt. Bei uns schreibt er ganz privat aber immer meinungsstark und gut für kontroverse Diskussionen. Musikalisch kennt man ihn (nicht nur) zwischen Rosenplatz und Westerberg als "der Niemeyer" von "Niemeyer & Konsorten".

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