Höchstes Windrad der Welt in Schipkau: Montage pausiert, Fertigstellung verschoben
In Schipkau in der brandenburgischen Niederlausitz entsteht derzeit das höchste Windrad der Welt. Mit einer geplanten Gesamthöhe von 365 Metern soll der GICON-Höhenwindturm nach Fertigstellung nur drei Meter kleiner sein als der Berliner Fernsehturm, wie die Berliner Zeitung berichtet. Aktuell misst die Anlage inklusive Rotorblätter bereits 315 Meter, nachdem der Innenturm auf eine Zwischenhöhe von 250 Metern angehoben wurde. Die Montage basiert auf einem innovativen Teleskopprinzip, das der verstorbene Leipziger Ingenieur Horst Bendix entwickelte. Dabei wird ein schlankerer Innenturm mit der Turbine mechanisch in einem massiven Außenturm nach oben geschoben, da herkömmliche Kräne für diese Dimensionen nicht ausreichen. Derzeit pausiert der Hubprozess, um planmäßige technische Arbeiten durchzuführen.
Riesiges Windrad verspricht Strom für 7.500 Haushalte
Das Projekt wird von der Dresdner GICON-Gruppe im Auftrag der beventum GmbH, einer Tochter der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), realisiert. Die Kosten belaufen sich auf rund 20 bis 25 Millionen Euro an staatlichen Fördermitteln, wie die Berliner Zeitung weiter mitteilt. Die Entwickler versprechen sich von der Anlage in 300 Metern Höhe einen deutlich höheren und konstanteren Energieertrag als bei herkömmlichen Onshore-Windrädern. Mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt soll der Gigant jährlich etwa 30 bis 33 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren – genug für rund 7.500 Vierpersonenhaushalte. Langfristig streben die Verantwortlichen Stromgestehungskosten von unter fünf Cent pro Kilowattstunde an.
Höhenwindrad löst Sicherheits- und Naturschutzdebatte aus
Trotz der technologischen Fortschritte gibt es auch Kritik. Lokale Luftsportvereine wie der Aero-Club Schwarzheide hatten Bedenken wegen der Sicherheit des Segelflugs geäußert und versuchten, den Bau gerichtlich zu stoppen. Die Klage wurde jedoch aus formalen Gründen abgewiesen, wie die Berliner Zeitung berichtet. Experten warnen zudem, dass Windräder dieser Größenordnung militärische Flughöhen tangieren könnten, was künftige Genehmigungsverfahren erschweren würde. Auch die Raumplanung steht vor neuen Herausforderungen: Durch die extreme Höhe müssen größere Mindestabstände zu Wohnsiedlungen eingehalten werden, was die verfügbaren Bauflächen in Deutschland weiter verknappt. Natur- und Artenschützer äußern zudem Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf Vögel, Fledermäuse und Insekten in diesen Luftschichten sowie des Ressourcenverbrauchs für das Fundament.