Trotz Ausweisungen zu Kriegsbeginn halten sich laut Kiew mindestens 366 russische Geheimdienstmitarbeiter in Europa auf. Der ukrainische Geheimdienst warnt vor weiteren Hybridangriffen und sieht einen Angriff auf EU-Staaten als möglich, aber nicht akut bevorstehend.
Geheimdienstmitarbeiter als Diplomaten getarnt
"Uns liegen Informationen vor, wonach sich aktuell mindestens 366 Mitarbeiter russischer Geheimdienste in europäischen Ländern aufhalten", sagte der Vizechef des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes, Oleh Luhovskyi, dem „Spiegel“.
"Viele von ihnen sind als Diplomaten getarnt, aber nicht alle."
Warnung vor Hybridangriffen und Eskalation
Luhovskyi verwies auf die Drohnenattacke am Flughafen Leipzig im August als Beispiel für die wachsende Bedrohung. „Ich gehe davon aus, dass wir bei den Hybridangriffen erst den Anfang gesehen haben“.
"Das wird noch zunehmen." Russlands Präsident Wladimir Putin werde wegen Maßnahmen wie der Schließung von Konsulaten „nicht sagen `oh, dann lasse ich es`“.
Angriff auf EU-Staaten: realistisch, aber nicht akut
Zu Befürchtungen vor einem Angriff Russlands auf EU-Staaten sagte der Geheimdienstler, dies würde "zunehmend zu einem realistischen Szenario".
Warnungen vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff Russlands auf baltische Staaten wies er allerdings zurück. "Wenn ein Angriff demnächst bevorstünde, müssten wir Truppenbewegungen sehen. Wir sehen aber keine."