Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) rät seiner Partei, keine Koalition unter Führung der Linken einzugehen. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel begründet er dies mit deren Umgang mit Antisemitismus und Clan-Kontakten sowie Plänen zur Wohnungsenteignung.
Kritik an Linken und Wohnungsbauplänen
"Ich kann meiner Partei nur raten, nicht in eine Koalition unter Führung der Linken einzutreten" dem "Tagesspiegel", sagte Thierse. Die Kandidatin der Linken für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin, Elif Eralp, sei „nicht unsympathisch“, so Thierse: „Das aber ist kein Grund, sie zur Regierenden Bürgermeisterin zu wählen.“
Verantwortungslosigkeit und DDR-Erfahrungen
"Ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt eine Partei in Regierungsverantwortung zu bringen, die mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht fertig wird, ist verantwortungslos", so Thierse. "Geradezu abenteuerlich" sei es, zu sehen, dass die Linke "Kontakte ins Clan-Milieu pflegt und zugleich Polizei und Verfassungsschutz schwächen will".
Der frühere Bundestagspräsident kritisierte zudem die Pläne zur Enteignung von Wohnraum. Er habe erlebt, was Vergesellschaftung und Verstaatlichung bedeuten, sagte Thierse, der in der DDR gelebt hatte. "Ich kann nicht empfehlen, diesen Weg zu gehen. Ich glaube einfach nicht, dass ein verstaatlichter Wohnungsbau hilft, die Wohnraumknappheit und die Mietenexplosion zu verhindern." In der DDR seien Wohnungen und Häuser verstaatlicht und staatlich verwaltet worden, sagte Thierse: "Das Ergebnis konnte jeder 1989 sehen."
