In der Bundesregierung und unter Ökonomen mehren sich die Warnungen vor einer möglichen Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Ratingagenturen sehen steigende Schulden, schwaches Wachstum und politische Unsicherheit als Risikofaktoren.
Agenturen bestätigen Bonität – doch Druck steigt
Zwar haben S&P Global, Moody’s und Fitch im Frühjahr 2026 Deutschlands Top-Bonität noch bestätigt. Doch "Wenn die Schulden hoch bleiben, das Wachstum aber nicht anspringt, könnten die Ratingagenturen Deutschlands Triple-A-Rating infrage stellen", sagte ein ranghoher Regierungsvertreter dem Handelsblatt. Ein anderer Vertreter ergänzte: "Nicht sofort, aber in den nächsten Jahren könnten wir unter Druck geraten, wenn es so weitergeht".
Malgorzata Wegner, Expertin für Länderbewertungen bei Fitch, betonte: „Der Druck auf das Rating hat zugenommen“. Als Hauptgründe nannte sie die steigende Staatsverschuldung, das schwache mittelfristige Wachstum und die Unsicherheit über den politischen Kurs nach der Legislaturperiode.
Ökonomen warnen vor Rating-Risiko
Auch Ökonomen sehen Handlungsbedarf. "Es würde mich nicht überraschen, falls eine der Ratingagenturen in nicht allzu ferner Zukunft mit einem negativen Ausblick um die Ecke käme", sagte Moritz Krämer, der lange bei S&P gearbeitet hat. Jörg Rocholl, Präsident der ESMT, warnte: „Wenn Deutschland kein Wachstum schafft, wird auf mittlere Sicht das AAA-Rating in Gefahr geraten“.
Thiess Büttner, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Stabilitätsrats, fügte hinzu: „Wenn eine wirksame Reform der Schuldenbremse unterbleibt und zu erwarten ist, dass sich der Anstieg der gesamtstaatlichen Schuldenquote mittelfristig weiter fortsetzt, ist eine Herabstufung des Ratings letztlich unvermeidlich“.
Laut einer internen Vorlage des Bundesfinanzministeriums, aus der das Handelsblatt berichtet, würden sich Deutschlands Zinskosten bei einem einprozentigen Zinsanstieg mittelfristig um 17,3 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen.