Die Bundesregierung gibt keine Auskunft über die Zahl abgelehnter Forschungsvisa für chinesische Wissenschaftler. Die Angaben wurden als Verschlusssache eingestuft. Dies geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Marcel Emmerich hervor, über die das „Handelsblatt“ berichtet.
Geheimhaltung und diplomatische Bedenken
Zur Begründung verweist die Bundesregierung auf eine frühere Stellungnahme aus dem Jahr 2023. Veröffentlichte Zahlen könnten zu "unsachgemäßen Schlussfolgerungen" führen und diplomatische Spannungen auslösen. Als Beispiel wird die Türkei genannt, die Deutschland vorwirft, Visa aus politischen Gründen verschärft zu haben. Solche Vorwürfe anderer Staaten könnten bilaterale Beziehungen oder die Vermittlerrolle Deutschlands in internationalen Konflikten belasten.
Die Geheimhaltung steht im Kontext einer anhaltenden Debatte über Forschungssicherheit. Hintergrund sind unter anderem Untersuchungen zu Kooperationen des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit Cispa mit chinesischen Einrichtungen sowie Warnungen von Sicherheitsexperten vor Risiken bei Zusammenarbeit deutscher Hochschulen mit militärnahen Universitäten in China.
Bearbeitete Anträge, aber keine Ablehnungszahlen
Das Auswärtige Amt veröffentlichte nur Daten zu bearbeiteten Anträgen: 2024 waren es 3.273 Forschungsvisa für chinesische Staatsangehörige, nach 2.147 im Jahr 2021. 2025 sank die Zahl auf 2.627, im ersten Halbjahr 2026 wurden 856 Anträge abschließend bearbeitet. Unklar bleibt, wie viele Visa aus Sicherheitsgründen abgelehnt wurden.
Emmerich kritisierte die Intransparenz. Er sagte der Zeitung, Hochschulen fehlten "verbindliche Schutzstandards, ausreichende Beratung und eine wirksame Sicherheitsstrategie gegen Wissenschaftsspionage". Zugleich betonte der Grünen-Politiker, es brauche einen differenzierten Umgang mit Forschern aus autoritär regierten Staaten. Wer frei forschen wolle, sei willkommen. Wer im Auftrag autoritärer Regime spioniere, müsse konsequent gestoppt werden. Die Bundesregierung schweige sich jedoch genau zu dieser Unterscheidung aus.