Nach der Grundsteinlegung für eine neue Insulinanlage in Frankfurt drängt die Sanofi-Chefin die Bundesregierung zu Gesprächen über die Umsetzung der Standortklausel. Die Vorschläge eines Fachgremiums sehen eine Reduzierung des Herstellerabschlags für in Deutschland forschende und produzierende Unternehmen vor.
Forderungen an die Bundesregierung
Paul Hudson-Garijo, Chefin des französischen Pharmakonzerns, betonte im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochsausgabe): "Mit der Planung des Projektes haben wir vor über zwei Jahren begonnen". Doch dann sei "Die Krankenkassenreform mit verschärften Rahmenbedingungen ist dazwischengekommen." Statt nur zu kritisieren, wolle sie mit der Bundesregierung "an einem Tisch sitzen" und nach Lösungen suchen. Die Vorschläge zur Standortklausel bezeichnete sie als "guten Anfang".
Ende September hatte ein vom Bundesgesundheits- und Wirtschaftsministerium eingesetztes Fachgremium die Pläne vorgelegt. Danach soll sich der Herstellerabschlag für Unternehmen reduzieren, die in Deutschland forschen und produzieren – etwa wenn die Produktion mehr als ein Drittel des hiesigen Umsatzes ausmacht oder ein unverzichtbares Werk betrieben wird. Ab 2027 soll der Abschlag für patentgeschützte Arzneimittel pauschal auf 15,5 Prozent steigen.
EU-weite Standortpolitik und Lieferketten
Angesichts des Wettbewerbs aus China und den USA forderte Garijo bessere Standortbedingungen in Europa: "Nur so werden wir stärker und holen bei der Innovation auf und schaffen ein Ökosystem, das langfristig sicher ist." Statt länderspezifischer Programme wie "Invest in Germany" wünscht sie sich ein "Choose Europe“-Programm zur Förderung von Investitionen in der EU.
Sanofi will zudem stärker in regionale Lieferketten investieren, um in geopolitischen Krisenzeiten robuster zu sein. In China entsteht eine weitere Insulinproduktion, die zeitgleich mit der Frankfurter Anlage starten soll. "Beide Anlagen werden sehr eng zusammenarbeiten, um Wissen und Daten zu teilen", kündigte Garijo an.
Strategischer Wandel und Innovationsdruck
Das Unternehmen durchläuft einen strategischen Wandel. Derzeit ist das Medikament Dupixent, eingesetzt bei Asthma und Neurodermitis, der einzige große Wachstumstreiber – doch sein Patent läuft in fünf Jahren aus. Der Druck steigt daher, die Innovationspipeline auszubauen. "Unsere oberste Priorität ist es, unsere Pipeline wieder aufzufüllen, und zwar mit einer guten Balance zwischen internen Innovationen und Partnerschaften", erklärte Garijo.
Im Juni wurde Paulo Fontoura als neuer Forschungschef bestellt. Er habe bereits damit begonnen, Ordnung in die Programme zu bringen. Parallel bereitet Sanofi den Patentablauf von Dupixent nach 2031 vor, “um weiterzuwachsen und unsere Erträge zu sichern”. Bis Jahresende will Garijo den Fokus auf Bereiche legen, in denen Sanofi führend ist: Immunologie mit Dermatologie und Atemwegserkrankungen, seltene Erkrankungen sowie Impfstoffe.