Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth hat den Rücktritt von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas bedauert. In Interviews mit RTL und ntv rief er zu mehr Respekt im politischen Umgang auf. Er thematisierte Hass, Wut und Morddrohungen gegen Politiker.
Kritik an Spekulationen und politischem Klima
"Wenn jemand um einen lieben Menschen trauert und sich dafür auch erst mal rausnimmt aus dem politischen Geschäft", da sollte man "mal die Schnauze halten und nicht noch anfangen, darüber zu spekulieren, was diese Person jetzt tut oder tun sollte oder nicht tun sollte", sagte Roth am Montag den Sendern RTL und ntv. Er hoffe, dass der Rücktritt von Bas "uns alle ein wenig zur Besinnung kommen lässt".
Roth, der nach 27 Jahren im Bundestag aus der Berufspolitik ausgestiegen war, nannte als belastend: "die Härte der Auseinandersetzung, der Hass, die Wut" im politischen Betrieb, in den Medien und in der Gesellschaft. "Wenn am Ende sich die Stillen und Leisen, die Sensiblen, die Empathischen zurückziehen und nur noch die Hartleibigen, die mit dem dicken Fell und die Zyniker übrig bleiben, dann wirkt sich das nicht gut auf unsere politischen Entscheidungen aus", so Roth weiter. Die politische Auseinandersetzung müsse hart in der Sache sein, zugleich gelte: "Wir sollten respektvoll miteinander umgehen. Und wir sollten die Integrität von Menschen respektieren".
Morddrohungen und Folgen für die Demokratie
Als besonders schwerwiegend bezeichnete Roth Morddrohungen, die er selbst erlebt habe. Viele Betroffene machten solche Erfahrungen mit sich selbst aus, um Angehörige nicht zusätzlich zu belasten. Viele sagten dann irgendwann: "Nein, das tue ich mir nicht mehr an".
Die zunehmende Aggressivität werde vor allem von Populisten und Extremisten vorangetrieben und färbe auf die politische Mitte ab. "Die werden gerade jetzt dringend gebraucht", sagte Roth über diejenigen, die nicht zu den Lauten gehören und Debatten mit Zwischentönen bereichern.