DLRG warnt vor Leichtsinn: So viele Tote wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Die Zahl der Badetoten in Deutschland hat in diesem Jahr einen traurigen Rekord erreicht. Allein im Juni ertranken bundesweit über 100 Menschen, so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilte. In den ersten sieben Monaten des Jahres verloren insgesamt 261 Menschen am und im Wasser ihr Leben – 15 mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen sind junge Männer, die sich oft überschätzen oder unter Alkoholeinfluss ins Wasser begeben. DLRG-Präsidentin Ute Vogt betonte, dass die meisten Unfälle durch Leichtsinn oder mangelnde Schwimmfähigkeiten verursacht werden. Sie forderte, nur an bewachten Badestellen zu schwimmen und warnte: „Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen, aber das Leben zu verlieren.“
Baden-Württemberg verzeichnet leichten Rückgang
Während die Zahlen bundesweit steigen, verzeichnet Baden-Württemberg einen leichten Rückgang. Bis Ende Juli ertranken dort 26 Menschen, zwei weniger als im Vorjahr, wie der SWR berichtet. Allerdings gab es im Juni einen alarmierenden Anstieg: 13 Menschen starben in diesem Monat – so viele wie in keinem Juni der vergangenen 25 Jahre. Die DLRG führt dies auf die extreme Hitze und die damit verbundene Lust auf Abkühlung zurück. Besonders gefährdet sind demnach junge Erwachsene zwischen 21 und 30 Jahren sowie ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
Schwimmfähigkeit junger Menschen alarmierend niedrig
Ein zentrales Problem bleibt die mangelnde Schwimmfähigkeit. Nach Einschätzung der DLRG verlässt die Mehrheit der Kinder die Grundschule ohne Schwimmabzeichen. Vogt forderte daher flächendeckende Investitionen in die Sanierung von Schwimmbädern und in Schwimmunterricht an Schulen. Auch der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister warnte vor einem Personalmangel: Über 3.000 Bademeister fehlen, was zu verkürzten Öffnungszeiten in Schwimmbädern führt und die Schwimmfähigkeit junger Menschen zusätzlich beeinträchtigt.
Mehr Tote in Seen als in Flüssen und Meeren
Die meisten Todesfälle ereigneten sich in Binnengewässern. In Seen und Teichen starben bundesweit rund 118 Menschen, 22 mehr als im Vorjahr, während in Flüssen die Zahl der Opfer auf 90 sank, wie n-tv und die taz übereinstimmend berichten. Besonders gefährlich gelten große Gewässer wie Rhein und Bodensee, die viele Badegäste anziehen. In der Nordsee gab es bisher keinen Todesfall, in der Ostsee 14. Bayern verzeichnete mit 54 Todesopfern die höchste Zahl unter den Bundesländern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 50.
DLRG fordert nationale Strategie gegen Badeunfälle
Die DLRG kritisiert zudem das Fehlen von Aufklärungskampagnen und einer nationalen Strategie zur Verringerung tödlicher Badeunfälle, wie sie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert. Vogt betonte, dass bessere Aufklärung über die Gefahren im Wasser entscheidend sei, um das Risiko zu minimieren. Auch Eltern wurden gemahnt, ihre Kinder im Wasser nicht aus den Augen zu verlieren und auf ausreichende Schwimmfähigkeiten zu achten.