In Stadt und Landkreis Osnabrück haben Betriebe der Arbeitsagentur im Ausbildungsjahr 2025/26 deutlich mehr Lehrstellen gemeldet: 3.567 Stellen, ein Plus von 18,4 Prozent. Zugleich suchten weniger junge Menschen über die Berufsberatung einen Ausbildungsplatz.
Als ausbildungssuchend registriert waren nach Angaben der Agentur für Arbeit Osnabrück 2.669 junge Menschen, 191 oder 6,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Rechnerisch kamen damit auf jeden Bewerber etwa 1,3 Ausbildungsstellen, im Vorjahr waren es 1,05.
„Es ist erfreulich, dass uns wieder deutlich mehr Betriebe Ausbildungsangebote gemeldet haben“, sagt Lars Hirseland, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Osnabrück. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen gebe es in der Region „immer noch“ eine große Bereitschaft, junge Menschen auszubilden.
Weniger Bewerber aus dem In- und Ausland
Seit Jahren sinkt die Zahl deutscher Bewerber. Bislang hatte das wachsende Interesse ausländischer Bewerber das weitgehend ausgeglichen, nun ging erstmals auch diese Gruppe zurück: von 777 auf 752 Bewerber mit ausländischer Staatsbürgerschaft, ein Minus von 3,2 Prozent. Hinzu kamen 1.917 deutsche Bewerber, acht Prozent weniger als im Ausbildungsjahr davor.
Mehr Stellen im Verkauf, am Bau und bei Finanzen
Nach zwei Jahren mit Rückgängen verteilte sich das Plus bei den gemeldeten Stellen auf viele Berufsfelder. Die meisten Plätze, 488, gab es im Verkauf, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Deutlich zugelegt haben auch der Hochbau (72 Stellen, plus 30,9 Prozent), der Tiefbau (90 Stellen, plus 95,7 Prozent), Berufe der Unternehmensorganisation und -strategie (224 Stellen, plus 57,7 Prozent) sowie Versicherungs- und Finanzdienstleistungen (97 Stellen, plus 94 Prozent).
Wunschberufe und Angebot passen nicht ganz zusammen
Rund 40 Prozent der Bewerber konzentrierten sich mit ihrem Erstwunsch auf nur zehn Berufe, darunter Kaufleute für Büromanagement, Industriekaufleute und Kaufleute im Einzelhandel. Junge Männer wollten zudem häufig Kfz-Mechatroniker oder Fachinformatiker werden, junge Frauen Medizinische Fachangestellte, Verkäuferin oder Friseurin. Im Angebot standen dagegen etwa 123 Stellen als Fachkraft für Lagerlogistik, 83 als Industriemechaniker, 77 als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und 71 als Elektroniker für Betriebstechnik – Berufe, die nicht zu den Topwünschen gehörten.
279 Bewerber noch ohne Platz
Ende September waren 279 Bewerber noch unversorgt, 15 mehr als ein Jahr zuvor. 158 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt, 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Fast 77 Prozent der gemeldeten betrieblichen Stellen seien besetzt, so Hirseland: „Das ist die höchste Quote der letzten Jahre, insofern ein schöner Erfolg.“ Für die übrigen Bewerber suche die Agentur in den kommenden Wochen weiter nach einer passenden Stelle.
Hirseland wirbt für mehr Offenheit auf beiden Seiten und rät zu Praktika: „Bewerber können unverbindlich in ein Berufsfeld reinschnuppern. Und die Betriebe können die potentiellen Azubis abseits von Zeugnisnoten kennenlernen.“ Die Arbeitsagentur könne berufsorientierende Praktika und ausbildungsbegleitende Hilfen finanziell unterstützen. Zudem könne für manche Menschen das Nachholen eines Berufsabschlusses interessant sein: „Ein Berufsabschluss ist die größte Sicherheit, um sich im Erwerbsleben vor Arbeitslosigkeit zu schützen.“
Handwerk: Plus im Landkreis, Minus in der Stadt
Die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim zählte im Agenturbezirk bis zum 30. September 1.259 neue Ausbildungsverträge, 31 oder 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Getragen wird das vom Landkreis Osnabrück mit 867 Verträgen (plus 49, plus sechs Prozent). In der Stadt Osnabrück sank die Zahl dagegen um 18 auf 392 (minus 4,4 Prozent). „Das Plus von 2,5 Prozent ist ein positives Signal für das Handwerk in unserer Region“, sagt Dr. Goran Miladinovic, Fachbereichsleiter Berufsbildung der Kammer. „Zugleich dürfen wir den Rückgang in der Stadt nicht ausblenden.“
IHK meldet 7,4 Prozent weniger Verträge
Weniger rosig fällt die Bilanz der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim aus. In der Region Osnabrück wurden bis zum Stichtag 156 IHK-Ausbildungsverträge weniger eingetragen als im Vorjahr, ein Minus von 7,4 Prozent. In der Stadt Osnabrück waren es 96 Verträge oder 10,1 Prozent weniger, vor allem in der Logistik. Im Landkreis ging die Zahl um 60 Verträge oder 5,2 Prozent zurück, hier vor allem im gewerblich-technischen Bereich. Im gesamten IHK-Bezirk mit Emsland und Grafschaft Bentheim lag das Minus bei 3,5 Prozent (3.658 neue Verträge), landesweit bei 6,5 Prozent.
Als eine Ursache nennt Juliane Hünefeld-Linkermann, Leiterin des IHK-Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung, die demografische Entwicklung: Von 2015 bis 2025 sei die Zahl der Schulabgänger allgemeinbildender Schulen im IHK-Bezirk um fast zehn Prozent zurückgegangen. Beliebtester IHK-Ausbildungsberuf in der Region Osnabrück ist 2026 Industriekaufmann beziehungsweise Industriekauffrau, gefolgt von Verkäuferinnen und Verkäufern, Kaufleuten für Büromanagement, im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandelsmanagement. Viele Unternehmen suchen nach Angaben der IHK weiterhin Auszubildende; in den vergangenen Jahren seien bis zum Jahresende noch zahlreiche Verträge hinzugekommen.
Betriebe, die Ausbildungsstellen melden möchten, erreichen den Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4 5555-20.
Quelle: Agentur für Arbeit Osnabrück (mit Angaben von HWK und IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim)