Frankreich kommt nach den schweren Ausschreitungen vom Wochenende nicht zur Ruhe. Präsident Emmanuel Macron hat am Sonntagabend (18. Oktober) in einer Fernsehansprache ein entschlossenes Vorgehen gegen gewalttätige Randalierer angekündigt. In Osnabrücks französischer Partnerstadt Angers ruft Bürgermeister Christophe Béchu für Montagmittag zu einer öffentlichen Kundgebung vor dem beschädigten Rathaus auf.
In Angers, seit 1964 Partnerstadt von Osnabrück, waren am Samstag bei einer Demonstration nach Behördenangaben rund 10.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Mehrheit demonstrierte friedlich, mehrere Hundert Personen beteiligten sich jedoch an gewalttätigen Ausschreitungen.
Geschäfte wurden beschädigt und geplündert, öffentliche Einrichtungen angegriffen. Auch Rathaus und Präfektur waren betroffen. Mindestens sieben Polizisten wurden verletzt, 17 Menschen festgenommen. Das lokale Nachrichtenportal Angers Info berichtete später von 15 verletzten Beamten. Eine amtliche Bestätigung der höheren Zahl lag zunächst nicht vor. Die HASEPOST berichtete bereits über die Ausschreitungen in Angers.
Macron spricht von Wut und Scham
Am Sonntagabend wandte sich Staatspräsident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. Er verurteilte die Gewalt bei den landesweiten Protesten. „Wir alle empfinden heute Abend Wut und Scham“, erklärte Macron angesichts der Bilder brennender Gebäude, geplünderter Geschäfte und angegriffener Polizeibeamter.
Der Präsident machte nach seiner Darstellung gewaltbereite Gruppen aus dem ultralinken Spektrum sowie Kriminelle für einen erheblichen Teil der Ausschreitungen verantwortlich. Wer öffentliche Einrichtungen angreife, Geschäfte plündere oder Sicherheitskräfte attackiere, müsse mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Gleichzeitig warnte Macron davor, friedliche Demonstranten mit gewalttätigen Randalierern gleichzusetzen. Die Beschwerden über hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem seien ernst zu nehmen.
Die Gewaltwelle hat eine Dynamik entwickelt, die über die ursprünglichen Forderungen der Schüler und Studenten hinausgeht. Ob hinter einzelnen Ausschreitungen politische Motive, soziale Spannungen oder kriminelle Absichten stehen, lässt sich bislang nicht abschließend beurteilen.
Künftig auch Demonstrationsverbote möglich
Macron kündigte an, örtlichen Behörden zusätzliche Möglichkeiten gegen Gewalt bei Versammlungen einzuräumen. Präfekten sollen in Abstimmung mit Bürgermeistern entscheiden können, ob bestimmte Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen untersagt werden müssen.
Zugleich kündigte der Präsident eine Überprüfung des Vorgehens der Sicherheitskräfte an. Die Regierung müsse klären, wie es trotz Polizeieinsätzen zu derartigen Gewaltausbrüchen kommen konnte. Auch Vorwürfe übermäßiger Polizeigewalt sollen aufgearbeitet werden.
Damit stehen zwei Erwartungen nebeneinander: Bürger, Geschäftsleute und Kommunalpolitiker verlangen einen besseren Schutz vor gewalttätigen Gruppen. Friedliche Demonstranten fordern, dass ihre Anliegen nicht durch Ausschreitungen in den Hintergrund gedrängt werden.
Bürgermeister von Angers ruft Bürger vor das Rathaus
In Angers soll am Montag (19. Oktober) um 12 Uhr eine öffentliche Kundgebung vor dem Rathaus stattfinden. Bürgermeister Christophe Béchu und Mitglieder des Stadtrates haben die Einwohner dazu aufgerufen, gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt und Zerstörung zu setzen.
Die Versammlung auf dem Rathausvorplatz soll insbesondere die Solidarität mit den betroffenen Geschäftsleuten ausdrücken, deren Läden am Samstag beschädigt oder geplündert wurden.
Zugleich wollen die Kommunalpolitiker die Bedeutung des Schutzes öffentlicher Einrichtungen unterstreichen. Das Rathaus selbst war bei den Ausschreitungen angegriffen und beschädigt worden.
Der Aufruf richtet sich an alle Einwohner, die ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen möchten.
Frankreich ringt um die Folgen der Gewalt
Die Ausschreitungen in Angers sind Teil einer landesweiten Krise. Besonders betroffen waren neben der Hauptstadt Paris unter anderem Marseille, Lyon und Limoges.
Landesweit wurden nach Medienberichten mehr als 2.400 Menschen festgenommen. Hunderte Polizei- und Rettungskräfte wurden verletzt, Geschäfte beschädigt und öffentliche Gebäude angegriffen.
Auch am Sonntag kam es in Paris und Lyon erneut zu Zusammenstößen. Der französischen Regierung wird vorgeworfen, das Ausmaß der Gewalt unterschätzt und die Sicherheitskräfte unzureichend vorbereitet zu haben.