Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit inzwischen deutlich mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.
Guten Abend,
erinnern Sie sich noch: nach einem Sommer voller Zoff, Streit und Dissonanzen zwischen CDU und SPD kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz am Ende der parlamentarischen Sommerpause 2025 einen ‚Herbst der Reformen‘ an. Die sogenannte Große Koalition wollte Deutschland in den Bereichen Arbeit und Soziales, innere Sicherheit, Rente, Gesundheitswesen sowie Verteidigung sattelfest für die Herausforderungen der Zukunft und die ungewisse Weltlage machen. Daraus wurde dann allerdings ein ziemlicher Rohrkrepierer, in allen wesentlichen Fragen fanden die Koalitionäre nicht oder höchstens in unwesentlichen Dingen zueinander. Schnell wurde klar, daß der ‚Herbst der Reformen‘ nur eine Worthülse war, wenn nicht sogar eine bewußte Irreführung der Bevölkerung. Vergleichbar mit dem von Merz‘ Vorgänger Olaf Scholz beschworenen ‚Grünen Wirtschaftswunder‘, das sich im Rückblick nicht nur als eine der größten Luftnummern in der Menschheitsgeschichte erwiesen hat, sondern zudem hauptverantwortlich für den wirtschaftlichen Niedergang der Bundesrepublik ist.
Leider haben die verantwortlichen Politiker nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Nach der Demission von Scholz, Robert Habeck, Annalena Baerbock und ihrem rotgrünen Troß haben Merz, Lars Klingbeil und Bärbel Bas die Nichtleistung der Ampelkoalition konsequent fortgeführt, wenn nicht sogar noch übertroffen. Diese Leute sind jetzt seit anderthalb Jahren im Amt. In dieser Zeit haben sie sich genüßlich gegenseitig das Leben schwergemacht, anstatt Deutschlands grundlegende Probleme entschlossen anzupacken. Auf den mißratenen ‚Herbst der Reformen‘ 2025 hätte ein gut vorbereiteter und gemeinsam abgestimmter ‚Herbst der Reformen‘ 2026 folgen können. Doch es ist sowohl bei der CDU als auch bei der SPD kein Wille mehr erkennbar, das Land in wichtigen Fragen nach vorne zu bringen. Fatalismus macht sich breit, die politischen Ränder erstarken, Trauerarbeit wird für den politischen Schlagabtausch genutzt. Der Bürger kann sich angesichts dieses absurden Schmierentheaters nur noch angewidert abwenden. Da hilft es wenig, wenn sich Merz und der französische Staatspräsident Emanuel Macron plötzlich auf die Abkehr vom Verbrenner-Aus für die europäische Automobilindustrie einigen. Diese deutsche Schlüsselindustrie ist von rotgrünen Ideologen längst in Grund und Boden gefahren worden, im wahrsten Sinne des Wortes. Reformen finden woanders statt, in Argentinien, in den USA, in Japan. Uns bleibt nur ein weiterer grauer deutscher Herbst, ohne Reformen. Es darf bezweifelt werden, daß solcherlei Art von Politikverweigerung noch lange gutgeht.
Herzlichst
Ihr Justus Möser
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