Wissenschaftler und Umweltschützer warnen vor den Plänen der Bundeswirtschaftsministerin, CO2 unter der Nordsee einzulagern. Sie verweisen auf hohe Kosten, begrenzte Kapazitäten und die Gefahr, dass die Technologie den Klimaschutz ausbremst.
Hohe Kosten und sinkende Speicherkapazitäten
Das 2025 beschlossene Kohlendioxid-Speicherungs- und -Transportgesetz (KSpTG) erlaubt den Einsatz von CCS auch für Erdgas. Fast alle Industrien außer Kohlekraftwerke können Fördermittel beantragen. Geostor-Leiter Klaus Wallmann kritisiert diese Technologieoffenheit: „Es ist problematisch, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu begrenzen und darauf zu hoffen, mit der teuren CCS-Technologie die Klimaziele zu erreichen“.
Zudem betragen die Kosten für CCS schätzungsweise 150 bis 250 Euro pro Tonne CO2 – deutlich über dem aktuellen CO2-Preis von rund 74 Euro. Eine aktualisierte Analyse von Geostor, vor wenigen Tagen veröffentlicht, bestätigt diese Zahlen.
Speicherpotenziale deutlich reduziert
Die möglichen Lagerstätten in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) bieten nur noch Platz für 0,5 bis 1,5 Milliarden Tonnen CO2. Vor zwei Jahren waren noch bis zu 6 Milliarden Tonnen veranschlagt worden. Gründe für die Korrektur sind konkurrierende Nutzungen wie Windparks, Schiffsrouten und Naturschutzgebiete.
Wallmann warnt: "CCS wird dann zu einem Feigenblatt für einen ausgebremsten Klimaschutz." CCS solle nur für Branchen genutzt werden, die ihre Emissionen nicht anders vermeiden könnten, etwa die Zementindustrie.
Greenpeace fordert Überarbeitung der Bundesstrategie
Greenpeace sieht die geplante Carbon-Management-Strategie des Bundes vor einem Scherbenhaufen. Karsten Smid begründet dies mit überhöhten Prognosen zu den CO2-Endlagerkapazitäten in der deutschen Nordsee. Die Organisation fordert eine Überarbeitung der Pläne.