Mindestens vier Tote bei israelischen Luftangriffen – Hamas stellt Bedingungen für Entwaffnung
Ungeachtet der von US-Präsident Donald Trump verkündeten Fortschritte bei den Gaza-Verhandlungen hat Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen am Sonntag fortgesetzt. Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf örtliche Gesundheitsvertreter berichtet, wurden dabei mindestens vier Palästinenser getötet. Bei einem Angriff auf eine Wohnung in Deir al-Balah starben demnach ein Ehepaar, vier weitere Menschen wurden verletzt. Ein zweiter Angriff auf eine Wohnung in Gaza-Stadt forderte zwei weitere Tote, darunter ein Kind. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen, eine Stellungnahme des israelischen Militärs lag nicht vor.
Trumps Plan zur Entwaffnung der Hamas scheitert
Trump hatte am Donnerstag erklärt, die Hamas habe im Rahmen einer US-unterstützten Initiative ihrer Entwaffnung zugestimmt und dies als entscheidenden Fortschritt bezeichnet. Der von seinem „Board of Peace“ veröffentlichte 15-Punkte-Fahrplan sieht ein Ende der israelischen Militäroperationen, die schrittweise Entwaffnung der Hamas sowie den Abbau militärischer Infrastruktur vor. Eine internationale Stabilisierungstruppe soll anschließend für Sicherheit sorgen. Allerdings wurde der Plan bisher nicht umgesetzt.
Hamas und Israel streiten über Reihenfolge der Entwaffnung
Die Hamas knüpft ihre Zustimmung zur Entwaffnung an Bedingungen: Sie verlangt, dass Israel zunächst seine Angriffe beendet und sich entsprechend früherer Vereinbarungen zurückzieht. Schwere Waffen und Tunnel sollen erst in späteren Phasen unbrauchbar gemacht werden. Israel besteht dagegen auf der umgekehrten Reihenfolge, wie Reuters unter Berufung auf einen israelischen Regierungsvertreter berichtet. Die Armee werde ihre Stellungen nicht verlassen, bevor die Hamas „wirklich entwaffnet“ und der Gazastreifen demilitarisiert sei. Nach Angaben der Associated Press kontrolliert Israel derzeit rund 60 Prozent des Gazastreifens.
Netanjahu und Ben-Gvir lehnen Trumps Plan ab
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den neuen Fahrplan bisher nicht öffentlich unterstützt. Sein Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir bezeichnete die Vereinbarung als inakzeptabel und forderte, Israel müsse seine Politik der gezielten Tötung von Hamas-Führern fortsetzen. Der frühere Fatah-Funktionär Mohammed Dahlan erklärte unterdessen, Trumps Berater Jared Kushner arbeite mit Israel an einem Ende der Angriffe. Weder die US-Regierung noch Israel bestätigten diese Darstellung zunächst.
Israel setzt Angriffe auf Gaza trotz Plänen fort
Bereits am Samstag hatte Israel Angriffe auf den Gazastreifen fortgesetzt. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei Menschen getötet und mehrere Lager mit Medikamenten nahe dem Al-Aksa-Krankenhaus in Deir al-Balah zerstört. Das israelische Militär begründete die Angriffe mit der Bekämpfung von Hamas-Kämpfern und Waffenlagern, veröffentlichte jedoch keine Belege für die behauptete militärische Nutzung der Lager.