Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn – Arbeitgeber bieten 1,3 Prozent
Nach dem Scheitern der zweiten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall bundesweit Warnstreiks gestartet. Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht um Mitternacht legten erste Nachtschichten die Arbeit nieder, etwa beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach oder beim Mobilfunkzulieferer RF 360 Europe in München, wie der Spiegel berichtet. In Nordrhein-Westfalen folgten am Montag weitere Ausstände, darunter beim Automobilzulieferer Gestamp in Bielefeld, wo rund 100 Beschäftigte ihre Arbeit niederlegten, wie der WDR mitteilt. Allein in NRW sind etwa 100.000 Menschen zum Warnstreik aufgerufen worden.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn
Die Gewerkschaft fordert für rund 3,7 Millionen Beschäftigte in der Branche fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie die Sicherung von Jobs und Standorten. Die Arbeitgeber hatten in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt, das eine Einmalzahlung im kommenden Jahr und eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 vorsieht, wie die Tagesschau berichtet. Die IG Metall kritisiert dieses Angebot als unzureichend und spricht von einem „Angriff auf die Beschäftigten“, da es die Inflation nicht ausgleiche.
Arbeitgeber warnen vor Deindustrialisierung in NRW
Die Arbeitgeberseite betont hingegen die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche. Arndt Kirchhoff, Präsident von Metall NRW, warnte vor einer drohenden Deindustrialisierung und verwies auf eine Umfrage, wonach 44 Prozent der Unternehmen in NRW ihre Geschäftslage als schlecht einschätzen, wie der WDR berichtet. Die IG Metall plant, die Streiks in der kommenden Woche auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten. In Baden-Württemberg sind bereits Kundgebungen an neun Standorten geplant, darunter bei ZF Wabco in Mannheim und Schaeffler in Bühl, wie der SWR mitteilt.
Tarifrunde startet mit verhärteten Fronten
Die dritte Tarifrunde beginnt am 9. November. Während die Gewerkschaft auf ein verbessertes Angebot hofft, pochen die Arbeitgeber auf Kostensenkungen, um Investitionen zu ermöglichen. Die Fronten bleiben damit vorerst verhardt.