EU droht TikTok mit Strafen, Kalifornien führt Altersbeschränkungen ein – Konzerne klagen.
Die EU-Kommission verschärft den Druck auf TikTok und wirft dem Betreiber Bytedance vor, mit seinem Algorithmus Suchtgefahren und psychische Probleme zu verstärken. Wie der Spiegel berichtet, gefährde die Plattform Nutzer durch endlose personalisierte Video-Empfehlungen, die etwa Essstörungen oder Angststörungen begünstigen könnten. Die Behörde verlangt nun grundlegende Änderungen an der Funktionsweise der „Für Dich“-Seite, andernfalls drohe eine Strafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. TikTok habe bereits reagiert, doch die Maßnahmen reichten nicht aus, so die Kommission. Auch heise.de berichtet von vorläufigen Ergebnissen, die den Algorithmus als nicht vereinbar mit dem Digital Services Act (DSA) einstuften. Demnach erzeuge der „Rabbit Hole“-Effekt Risiken, insbesondere bei gesundheitsbeeinträchtigenden Inhalten, ohne dass Bytedance ausreichend gegengesteuert habe.
Kalifornien verbietet Autoplay für unter 16-Jährige
In den USA hat derweil der Bundesstaat Kalifornien ein Gesetz erlassen, das personalisierte Empfehlungen und Autoplay für unter 16-Jährige verbietet. Wie heise.de weiter mitteilt, klagen Google, Meta und TikTok gegen das Gesetz Assembly Bill 1709, da es ihrer Meinung nach gegen den First Amendment und den Communications Decency Act verstoße. Die Konzerne argumentieren, der Staat setze seine eigene Beurteilung an die Stelle elterlicher Entscheidungen. Kalifornien will damit Suchtmechanismen in sozialen Medien eindämmen, die als Hauptursache für extrem lange Bildschirmzeiten gelten. Gouverneur Gavin Newsom hatte das Gesetz im September unterzeichnet und dabei die Untätigkeit der Bundesregierung kritisiert.
Australien löscht Hunderttausende Kinderkonten
Weltweit werden unterschiedliche Ansätze verfolgt, um Kinder und Jugendliche vor den negativen Auswirkungen sozialer Medien zu schützen. In Australien gilt seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, wie die FAZ berichtet. Dort wurden bereits Hunderttausende Kinderkonten gelöscht, doch die Umsetzung bleibt umstritten. Während das Verbot in Schulen streng kontrolliert wird, nutzen Jugendliche die Plattformen nach Schulschluss weiterhin. In der EU steht ein striktes Verbot vor dem Aus, da rechtliche Hürden und Streit unter den Mitgliedstaaten Ausnahmen für unter 13-Jährige erfordern. In Frankreich stoppte das oberste Gericht ein ähnliches Vorhaben vorerst als unverhältnismäßigen Eingriff in die Meinungsfreiheit.
EU und USA streiten über Social-Media-Regulierung
Die Debatte zeigt, wie unterschiedlich Regierungen und Konzerne mit den Herausforderungen umgehen. Während die EU auf regulatorische Eingriffe setzt, setzen die USA auf Klagen und bundesstaatliche Lösungen. TikTok und andere Plattformen stehen dabei im Fokus, da ihre Algorithmen als zentral für die Suchtgefahr gelten. Die EU-Kommission betont, dass es nicht nur um Kinder und Jugendliche gehe, sondern um ein Geschäftsmodell, das generell Risiken berge. In den USA hingegen wird der Schutz von Minderjährigen explizit in den Mittelpunkt gestellt, während die Konzerne auf die Meinungsfreiheit pochen.