Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge wirft der Bundesregierung vor, die EU-Methanregeln für fossile Importe um ein Jahr verschieben zu wollen. Sie sieht darin ein Armutszeugnis für Umweltminister Carsten Schneider und eine Kapitulation vor Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.
Kritik an Methanverordnung und Reiche
Die geplante Verschiebung der EU-Methanregeln sei ein Armutszeugnis für Schneider, sagte Dröge der "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Er sei vor Reiche eingeknickt. Noch schärfer kritisierte sie die CDU-Politikerin selbst: Seit ihrem Texas-Besuch habe sich Reiche der systematischen Zerstörung des Klimaschutzes verschrieben und setze schamlos die Forderungen der Öl- und Gaskonzerne um. Der Kanzler müsse ihr Einhalt gebieten.
Mit der Methan-Verordnung ließe sich die Erderwärmung spürbar und schnell bekämpfen, betonte Dröge. Das Klimagas Methan wirkt über 100 Jahre rund 28-mal stärker als CO2. Die EU-Verordnung verlangt von Importeuren fossiler Brennstoffe, Emissionsdaten entlang der Lieferkette offenzulegen, Leckagen schnell zu beheben und das Ablassen oder Abfackeln von Gas zu reduzieren.
Abschwächung der CO2-Flottengrenzwerte
Dröge kritisierte zudem die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich zur Abschwächung der CO2-Flottengrenzwerte für Neuwagen. Den Erfolg der Elektromobilität könnten Reiche, Merz und die Union nicht mehr aufhalten, da Markt und Verbraucher auf Bezahlbarkeit und Klimafreundlichkeit setzten. Entscheidend sei nun, ob Zukunftstechnologien wie E-Autos und Batterien in Deutschland produziert würden – oder im Ausland. Merz schade mit seinem Deal den hiesigen Standorten massiv.
Aktuell dürfen Neuwagen eines Herstellers in der EU durchschnittlich 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Ursprünglich sollte der Grenzwert schrittweise auf null sinken, was ab 2035 den Verkauf neuer Verbrenner indirekt verhindern würde. Alternative Kraftstoffe, Plug-in-Hybride oder Range Extender können null Gramm CO2 nicht erreichen.
Kommissionsvorschlag und aktuelle Pläne
Die Europäische Kommission hatte Ende 2025 vorgeschlagen, das CO2-Reduktionsziel für 2035 von 100 auf 90 Prozent im Vergleich zu 2021 abzusenken. Als Ausgleich sollte beim Autobau weitgehend Stahl ohne fossile Brennstoffe verwendet und Verbrenner mit alternativen Kraftstoffen betankt werden. Diese Kompensationsregelung wollen Deutschland und Frankreich nun streichen.