Bei Ausschreitungen in Frankfurt am Main Ende Oktober wurden 339 Polizisten verletzt. Laut Focus gab es rund 330 Festnahmen und 218 eingeleitete Strafverfahren. Die Diskussion über die Erfassung von Migrationshintergründen bei Tatverdächtigen und die Forderung nach mehr Transparenz prägen die aktuelle Debatte.
Polizisten verletzt, zahlreiche Festnahmen
Am 31. Oktober 2026 kam es in Frankfurt am Main zu schweren Krawallen. Dabei wurden 339 Polizisten verletzt, die meisten davon leicht. Laut Focus gab es rund 330 Festnahmen und Festsetzungen. Bislang wurden demnach 218 Strafverfahren eingeleitet.
Die Gewalttaten haben eine Debatte über die Erfassung von Tatverdächtigen ausgelöst. In Frankfurt am Main besitzt etwa die Hälfte der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass. Bei der anderen Hälfte mit deutschem Pass liegt zusätzlich eine ausländische Staatsangehörigkeit vor – insgesamt haben damit 75 Prozent der Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund. Solche Daten werden jedoch nicht bundesweit einheitlich veröffentlicht.
Forderung nach Transparenz bei Herkunftsdaten
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert, die Herkunft von Tatverdächtigen öffentlich zu machen, auch wenn deren Schuld noch nicht gerichtlich festgestellt ist. Manuel Ostermann, stellvertretender Bundesvorsitzender der DPolG, sagte dem Focus, die Polizei verfüge über relevante Informationen wie Geburtsort oder doppelte Staatsbürgerschaften. Transparenz könne helfen, die Polarisierung in der Gesellschaft zu verringern, indem Mutmaßungen beendet würden.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zuvor Linksextreme und “migrantische Chaoten” für die Gewalt verantwortlich gemacht. Die DPolG unterstützt diese Position. Die aktuelle Kriminalstatistik erfasst lediglich, ob ein Tatverdächtiger die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt oder nicht. Ob ein deutscher Staatsbürger ausländische Elternteile hat, wird nicht dokumentiert.
Rechtliche Hürden und Expertenmeinungen
Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität Berlin, unterstützt die Forderung nach mehr Transparenz. Er hält es für sinnvoll, die Herkunft von Tatverdächtigen in Pressestatements der Polizei zu erwähnen – insbesondere bei Taten mit möglichem "kulturellen Hintergrund", wie etwa homophober Gewalt oder Antisemitismus. Auch bei Gruppentaten sieht er die Erfassung der Herkunft als relevant an.
Laut Gewerkschaft der Polizei (GdP) wäre eine Kategorisierung des Migrationshintergrunds von Tatverdächtigen mit rechtlichen Schwierigkeiten verbunden. Benjamin Jendro, Sprecher der GdP in Berlin, betonte, dass aktuell niemand den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bei den Tatverdächtigen beziffern könne. Die Erfassung ausländischer Wurzeln sei nur bei wenigen Straftaten erlaubt. Eine politische Anweisung wäre notwendig, um verlässliche Daten zu erheben.