Ilse Aigner soll Steinmeier folgen – SPD signalisiert Unterstützung
Die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier scheint geklärt: Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, wird von Union und SPD als Kandidatin für das Amt unterstützt. Wie der Tagesspiegel berichtet, hat sich die Union bereits auf Aigner festgelegt, und SPD-Chef Lars Klingbeil lobte ihre „wahnsinnig integrative Kraft“. Die 61-jährige CSU-Politikerin wäre damit die erste Frau im Amt des Bundespräsidenten. Auch die Grünen signalisierten breite Unterstützung für die überparteiliche Kandidatin, wie der Tagesspiegel weiter schreibt.
Merz und Söder liefern sich Machtkampf um Kandidatur
Die Entscheidung der Union fiel nicht ohne interne Diskussionen. CDU-Chef Friedrich Merz hatte zunächst das Vorschlagsrecht für seine Partei beansprucht, doch CSU-Chef Markus Söder hatte bereits seit Monaten für Aigner geworben. Wie t-online berichtet, hatte Söder damit ein Vakuum gefüllt, das durch Merz’ langes Schweigen in der P-Frage entstanden war. Die Unterstützung für Aigner wuchs so stark, dass andere potenzielle Kandidatinnen wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner oder Familienministerin Karin Prien kaum noch Chancen hatten.
Aigner bricht Tabu als erste Single-Präsidentin
Aigner selbst bringt nicht nur politische Erfahrung mit: Sie war bereits Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie für Arbeit und Soziales. Persönlich wäre sie zudem die erste Bundespräsidentin, die als Single antritt – ein Novum in der Geschichte des Amtes. Wie t-online weiter berichtet, hat Aigner in der Vergangenheit offen über ihre gesundheitlichen Herausforderungen gesprochen, darunter eine Tumorerkrankung im Alter von 17 Jahren und später Schilddrüsenkrebs. Diese Erfahrungen hätten sie, so Aigner, gelassener gemacht.
Union sichert Aigner Mehrheit in Bundesversammlung
Die offizielle Bestätigung der Kandidatur steht noch aus. Merz hat für Sonntagabend ein Treffen des CDU-Präsidiums angesetzt, um die Entscheidung zu besiegeln. Die Bundesversammlung, die am 30. Januar 2027 den neuen Bundespräsidenten wählt, verfügt mit Union, SPD und Grünen über eine ausreichende Mehrheit für Aigner. Die SPD, die nach zehn Jahren Steinmeier diesmal der Union den Vortritt lässt, unterstützt die Kandidatin explizit – was auch als indirekte Kritik an Merz’ zögerlicher Haltung gewertet werden kann.
Personalentscheidungen dominieren über Parteilinie
Hinter den Kulissen bleibt die Frage, wie die Union mit der Dynamik umgeht, die Söder mit seiner frühzeitigen Unterstützung für Aigner ausgelöst hat. Politikprofessor Oliver Lembcke betonte gegenüber der AFP, dass das Amt des Bundespräsidenten zwar überparteilich wirken solle, die Besetzung aber oft nach parteipolitischen Kalkülen erfolge. Aigners Kandidatur zeigt einmal mehr, wie sehr Personalentscheidungen in der Politik von Machtfragen und taktischen Überlegungen geprägt sind.