Schauspieler Daniel Brühl hat in einer neuen Hörspielproduktion der “Harry Potter”-Reihe die Rolle des Lord Voldemort übernommen. Doch die Suche nach der richtigen Stimme gestaltete sich schwieriger als erwartet. Die Regie verglich seine Interpretation mit einer anderen Fantasy-Figur – ein unerwarteter Dämpfer für Brühl.
Stimme klang wie Gollum
Daniel Brühl berichtete der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von einem ungewöhnlichen Rückschlag bei der Arbeit an der Hörspielproduktion. Nach aufwändiger Vorbereitung hatte er seine Stimme zu einer schlangenhaften, bedrohlichen Tonlage verändert. Doch die Reaktion der Regie traf ihn unerwartet: "Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich mit meinem Ergebnis endlich richtig glücklich war. Mit viel Mühe und Detailarbeit hatte ich meine Stimme zu etwas Kreaturhaftem und Schlangenähnlichem verfremdet. Und dann meinte die Regie: `Daniel, du klingst wie Gollum`". Daraufhin zeigte er sich zunächst "schwer beleidigt". "An diesen Herr-der-Ringe-Schurken hatte ich überhaupt nicht gedacht. Als ich es mir angehört habe, musste ich zugeben: Es ging sehr in die Richtung."
Erst beim späteren Anhören musste er einräumen, dass die Kritik berechtigt war.
Vorgaben der Buchvorlage
Die Herausforderung, die Stimme des "dunklen Lord" zu finden, beschrieb Brühl als komplex. J.K. Rowling habe im Buch klare Beschreibungen vorgegeben: Voldemort solle schlangenhaft und zischend klingen, dabei jedoch eine hohe Tonlage behalten. Brühl versuchte, eine nasale, bedrohliche Stimme zu entwickeln, ohne ins Karikaturhafte abzurutschen. "Es ist schwer, auch weil J. K. Rowling im Buch konkrete Vorgaben macht. Ich musste mich zuerst einfinden. Voldemort wird als schlangenhaft und zischend beschrieben. Ich wollte was Nasales anbieten, das bedrohlich klingt und trotzdem – so wie es im Buch heißt – in einer hohen Tonlage bleibt. In die Karikatur darf es natürlich auch nicht kippen."
"Man muss sich von allem lösen, von Rufus Beck und auch von Ralph Fiennes, der Voldemort in den Filmen spielt."
Begegnung mit Macfadyen
Eine kuriose Situation erlebte Brühl bei Dreharbeiten zu einer John-le-Carré-Serie in Prag. Dort traf er auf Matthew Macfadyen, der in der englischen Fassung des Hörspiels ebenfalls Voldemort spricht. Brühl scherzte: “`Entschuldigung`, habe ich gesagt, `ich glaube, wir sind beide Lord Voldemort.` Er hat sich schlappgelacht. Seine erste Frage war: `Wie ging es dir mit dieser hohen Stimme”. Die Begegnung führte dazu, dass beide Schauspieler den Rest der Dreharbeiten scherzhaft in hoher Fistelstimme miteinander sprachen.
Privat sieht Brühl bei sich Parallelen zu Voldemorts Zerrissenheit, der seine Seele in verschiedenen magischen Objekten versteckt. Früher habe er großen Wert auf Harmonie in Gruppen gelegt. Mit der Zeit habe er jedoch gelernt, Beziehungen klarer zu trennen. In verschiedenen Lebensbereichen spiele er heute bewusst unterschiedliche Rollen – eine Entwicklung, die er mit Voldemorts Zerrissenheit verglich. Brühl betonte, dass dieser Prozess mit dem Älterwerden einhergehe und ihm guttue. Er halte nicht mehr an allem fest, sondern habe auch schon Beziehungen beendet.