Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein: Biontech gibt Suche nach Käufern auf.
Der Biotech-Konzern Biontech wird seine Standorte in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein schließen. Wie das Unternehmen mitteilte, war die monatelange Suche nach Investoren für die drei Werke erfolglos geblieben. Betroffen sind rund 1.800 Beschäftigte, davon über 700 in Tübingen, wie der SWR berichtet. Die Schließungen sollen schrittweise bis Ende 2028 erfolgen: Tübingen Ende 2027, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028. Als Grund nannte Biontech das schwierige Markt- und Investitionsumfeld. Mit dem Konzernbetriebsrat seien sozialverträgliche Lösungen und ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart worden, Details dazu wurden jedoch nicht genannt.
Palmer warnt vor Know-how-Verlust in Tübingen
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zeigte sich enttäuscht und bezeichnete die Entscheidung als erschreckend. Biontech habe Curevac erst Ende 2025 für rund 1,25 Milliarden US-Dollar übernommen und dabei die Integration des Tübinger Forschungs- und Produktionsstandorts angekündigt, wie die Stimme und der Südkurier berichten. Palmer betonte, die Stadt erwarte, dass Biontech alle realistischen Möglichkeiten ausschöpfe, um den Standort und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Er warnte vor einem massiven Know-how-Verlust und verwies auf die Geschichte des Tübinger Biotechnologie-Pioniers Curevac, der von Biontech übernommen worden sei.
Curevac-Gründer fürchtet Fachwissen-Schwund nach Übernahme
Curevac-Gründer Ingmar Hoerr hatte bereits nach der Übernahme durch Biontech vor einem Verlust von Fachwissen gewarnt. Während der Corona-Pandemie hatte Curevac mit Biontech um die Entwicklung eines Impfstoffs konkurriert, war dabei jedoch gescheitert. Danach konzentrierte sich das Unternehmen auf die Forschung, während Hunderte Stellen gestrichen wurden. Biontech selbst befindet sich seit Jahren in einem Umstrukturierungsprozess und forscht an neuen Produkten, insbesondere in der Onkologie.
Biontech kämpft mit Milliardenverlusten und Führungswechsel
Die Schließungen fallen in eine Phase, in der Biontech hohe Verluste verzeichnet. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres belief sich das Minus auf 1,35 Milliarden Euro, wie die Stimme berichtet. Gleichzeitig steht ein Führungswechsel an: Die Mitbegründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das Unternehmen spätestens Ende dieses Jahres verlassen, um sich einem neuen Projekt zu widmen. Ihr Nachfolger als Vorstandsvorsitzender wird Guido Oelkers, der bisher das schwedische Biopharma-Unternehmen Sobi leitete.