Vor der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie fordern die Arbeitgeber die IG Metall auf, Verhandlungen über längere Arbeitszeiten nicht auszuschließen. Mercedes droht mit Produktionsverlagerung nach Ungarn, falls die Forderung nicht erfüllt wird.
Forderungen und Drohungen vor der Tarifrunde
Peter Sebastian Krause, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall und Verhandlungsführer im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg, betont: „Wir brauchen Kostensenkung, um den Produktionsstandort zu stabilisieren“. Längere Arbeitszeiten dürften „keine Tabuzone sein“.
Der Autohersteller Mercedes geht noch einen Schritt weiter: Er fordert von seinen Beschäftigten längere Arbeitszeiten und erwägt, andernfalls Produktion in größerem Umfang nach Ungarn zu verlagern. Bisher war unklar, wie sich dies auf die bevorstehende Tarifrunde und die Arbeitgeberstrategie auswirkt.
IG Metall lehnt Aufweichen der 35-Stunden-Woche ab
Die IG Metall will am Mittwoch ihre Tarifforderung beschließen und lehnt ein Aufweichen der 35-Stunden-Woche ab. In der Branche, zu der die kriselnde Autoindustrie und der Maschinenbau zählen, sind bundesweit 3,7 Millionen Menschen beschäftigt.
Krause fordert keine pauschale Abkehr von der 35-Stunden-Woche, sieht aber Handlungsbedarf: Gewerkschaft und Arbeitgeber müssten in ihren Tarifverträgen "Lösungsräume schaffen, die es den Unternehmen erlauben, Kosten zu senken, wo das nötig ist – besonders dann, wenn andernfalls Investitionen in die Fertigung in Deutschland nicht möglich sind". Außerdem könne es "Situationen geben, in denen ein Lösungsweg über längere Arbeitszeiten ohne Lohneinbußen auch aus Sicht der Beschäftigten zu den weniger schmerzhaften gehört".
Wenig Spielraum für Lohnerhöhungen
Zugleich sieht Krause für Lohnerhöhungen wenig Spielraum. "Wir haben den Zielkonflikt, dass sich womöglich schon ein Inflationsausgleich nicht ohne weiteres mit einer Stabilisierung von Arbeitsplätzen und Produktionsstrukturen in Einklang bringen lässt".