Nach dem deutlichen Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen 2026 sieht der Demokratieforscher Daniel Ziblatt die Möglichkeit für grundlegende politische Reformen. Gleichzeitig warnt er vor der weiterhin bestehenden Machtfülle von Präsident Donald Trump. Die Niederlage der Republikaner schwäche den Einfluss des konservativen MAGA-Flügels, so Ziblatt.
Wahlsieg als Wendepunkt
Der Harvard-Professor Daniel Ziblatt bewertet den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen in den USA als "eine Art Stunde Null". Gegenüber dem Magazin "Focus" sagte er, es gebe nun die Gelegenheit, das politische System zu verbessern. Allerdings bleibe US-Präsident Donald Trump trotz der Niederlage seiner Partei ein mächtiger Akteur – etwa durch sein Vetorecht im Gesetzgebungsverfahren.
Ziblatt, der 2018 mit Steven Levitsky das Buch "Wie Demokratien sterben" veröffentlichte, sieht in der Wahlniederlage der Republikaner einen schweren Schlag für den konservativen MAGA-Flügel. Dessen Einfluss innerhalb der Partei werde voraussichtlich nachlassen. Dies könnte laut Ziblatt dazu führen, dass Demokraten und Republikaner in Zukunft gemeinsam gegen Trump vorgehen – beispielsweise in außenpolitischen Fragen wie dem Iran-Konflikt.
Demokratie unter Druck
Die US-Demokratie habe sich trotz struktureller Benachteiligungen als robust erwiesen, so Ziblatt. Trump habe durch Maßnahmen wie Wahlkreismanipulationen die Wettbewerbsbedingungen zugunsten der Republikaner verzerrt. Dennoch hätten die Demokraten die Wahlen gewonnen, weil die US-Bevölkerung den politischen Kurs des ehemaligen Präsidenten mehrheitlich ablehne.
Der Forscher fordert Reformen, um den politischen Einfluss reicher Personen einzuschränken. Zudem kritisiert er das US-Wahlsystem, in dem der Präsident nicht direkt vom Volk, sondern über ein Wahlmännergremium gewählt wird. Beide Punkte seien zentrale Schwachstellen, die einer Überarbeitung bedürften.