Liedermacher veröffentlicht Aufzeichnungen – scharfe Urteile über Politik und Zeitgeschichte
Der Liedermacher Wolf Biermann veröffentlicht am 7. Oktober Auszüge aus seinen Tagebüchern unter dem Titel «Ihr löscht das Feuer mit Benzin. Tagebücher – Über Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall». Die Aufzeichnungen umfassen die Jahre 1961 bis 1990 und bieten ein ungefiltertes Bild der deutsch-deutschen Geschichte, wie upday berichtet. Die Veröffentlichung fällt mit zwei Jubiläen zusammen: Biermanns 90. Geburtstag am 15. November und das 50-jährige Jubiläum seiner Ausbürgerung aus der DDR am 16. November 1976. Damals begründete das SED-Politbüro den Rauswurf mit «grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten», was Biermann im Tagebuch als «Lüge auf kurzen Beinen» zurückwies. Die Funktionäre hätten «ihre persönliche Macht mit dem Schicksal der DDR» verwechselt, so seine scharfe Kritik. Auch mit Weggefährten wie dem DDR-Dissidenten Robert Havemann ging Biermann hart ins Gericht und beschrieb ihn als «hundertmal so eitel und unduldsam». Einer der wenigen, die durchweg positiv erwähnt werden, ist Udo Lindenberg. Mit sich selbst ging Biermann ebenfalls schonungslos um, etwa bei der Schilderung seiner Angst vor Auftritten, die ihn vor seinem Kölner Konzert 1976 quälte.
Die Lage im Konflikt verschärft sich
In einem aktuellen Interview mit der Deutschen Presse-Agentur übt Biermann scharfe Kritik an der israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu, wie ad-hoc-news und die Allgemeine Zeitung berichten. Er wirft ihr vor, im Gazastreifen Kriegsverbrechen zu begehen und Israel in einen «reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat» zu verwandeln. «Was sie jetzt in Israel im Gazastreifen machen, ist natürlich kein Genozid, aber es ist ein Kriegsverbrechen. Ohne Wenn und Aber!», sagte Biermann. Seine Kritik verbindet er mit seiner jüdischen Familiengeschichte: Die «schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten» lebten «im Moment in Israel». Die Regierung verwandele das Land in einen Unterdrückerstaat, und seine Hoffnung auf ein demokratisches Israel sei dahin.
Israel rechtfertigt Militäroperationen mit Sicherheit
Biermanns Äußerungen fallen in eine Phase, in der die israelische Regierung ihre militärische Strategie weiterhin mit Sicherheitsinteressen begründet. Die internationale Debatte über die humanitäre Lage im Gazastreifen und die politische Zukunft der Region bleibt kontrovers. Während der Tagesspiegel die strategische Sicherheitsbilanz Israels hinterfragt, konzentriert sich der Deutschlandfunk auf die humanitäre Lage und den stockenden Wiederaufbau.
Biermann nennt AfD faschistisch und vergleicht mit Putin
In einem Gespräch mit dem ZEITmagazin äußert sich Biermann zudem zum Aufstieg der AfD, den er als Symptom gefährlichen Wohlstands deutet. Er bezeichnet die Partei als faschistisch, grenzt sie aber vom Nationalsozialismus ab und verbindet Faschismus auch mit Putin, Xi und dem Kommunismus. Seine Sicht erklärt er aus seiner Biografie als Sohn eines im Holocaust ermordeten jüdischen Widerstandskämpfers und eines Kommunisten.
Biermanns Tagebücher erscheinen mit neuer Tournee
Die Tagebücher zeigen Biermann als scharfen Beobachter seiner Zeit, der Freunde, Feinde und sich selbst schonungslos ins Visier nimmt. Die Veröffentlichung wird von einer Tournee, zwei neuen Musikalben und einem biografischen Dokumentarfilm begleitet.