Die ehemalige deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber, erwartet, dass US-Vizepräsident JD Vance bei der Präsidentschaftswahl 2028 antreten wird. Sie sieht ihn jedoch in einer schwachen Position gegenüber Donald Trump, der weiterhin die Republikanische Partei dominiert. Haber analysiert die Gründe für die Niederlage der Republikaner bei den Midterms und Trumps strategische Ausrichtung.
Haber: Vance kann sich nicht von Trump lösen
Emily Haber, von 2018 bis 2023 deutsche Botschafterin in Washington, rechnet damit, dass JD Vance 2028 für das Präsidentenamt kandidieren wird. Im Gespräch mit dem "Focus" bezeichnete sie diese Erwartung als klar. Allerdings gehe Vance erheblichen Hindernissen entgegen, um sich vom amtierenden Präsidenten Donald Trump abzugrenzen.
Laut Haber fehlen Vance die Möglichkeiten, Distanz zur Regierung zu schaffen oder das Kabinett zu verlassen – anders als etwa Außenminister Marco Rubio. Diese Einschätzung unterstreicht die anhaltende Machtkonzentration bei Trump innerhalb der Republikanischen Partei.
Demokraten mit historischem Sieg bei Midterms
Die Demokraten erzielten bei den Zwischenwahlen in den USA den deutlichsten Sieg seit 1974. Haber bewertet die Aussage Vances, die Niederlage der Republikaner sei auf den Iran-Krieg zurückzuführen, als Versuch, die Abkehr ehemaliger Trump-Wähler auf eine einzige Ursache zu reduzieren. Auf den ersten Blick wirke dies wie eine Distanzierung von Trump, doch handele es sich nicht um eine echte Abkehr.
Haber zufolge blendet eine solche monokausale Erklärung andere Faktoren aus, die zur Wahlniederlage beigetragen hätten: die wirtschaftliche Lage, Inflation, Hypothekenzinsen, Korruption und Selbstbereicherung. Da Trump Vances Aussage nicht widersprochen habe, liege keine tatsächliche Distanzierung vor.
Trump setzt auf Loyalität
Haber erklärt Trumps Zurückhaltung gegenüber dem Wahlergebnis mit seinem Bestreben, seine einflussreiche Position in der Partei zu bewahren. Er habe ein Interesse daran, dass sich die Republikaner unter künftiger Führung nicht gegen ihn und seine Familie wenden. Loyalität sei für Trump daher der entscheidende Maßstab – nicht politischer Erfolg.
Die ehemalige Botschafterin geht zudem davon aus, dass Trump sich selbst Straffreiheit zusichern werde. Diese Analyse zeigt Trumps strategische Ausrichtung auf langfristige Machtabsicherung in der Partei.