Experten kritisieren einen Vorstoß der Union, Erziehungs- und Pflegezeiten bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren weniger stark zu berücksichtigen. Betroffen wären vor allem Frauen. In der CDU/CSU-Fraktion wird Medienberichten zufolge über einen Kompromiss diskutiert.
IW-Expertin sieht Männer aktuell im Vorteil
Ruth Schüler, Rentenexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), sagte der Funke-Mediengruppe, schon heute profitierten Männer stärker von der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Werden Pflege- und Erziehungszeiten nicht mehr angerechnet, erreichten vor allem weniger Frauen die Voraussetzungen für eine abschlagsfreie vorzeitige Rente.
Fiskalische Folgen und Reformpaket
Laut Schüler würde die Rentenversicherung durch eine solche Anpassung fiskalisch deutlich weniger entlastet als bei einer kompletten Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte. Das Reformpaket der Alterssicherungskommission könne seine Wirkung nur dann voll entfalten, wenn alle Empfehlungen konsequent umgesetzt werden. Einen Kompromiss bei der Rente für besonders langjährig Versicherte zahlten Beitrags- und Steuerzahler.
Medienberichten zufolge wird in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über einen neuen Kompromissansatz im Streit um die Rente mit 63 diskutiert. Demnach soll die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren offiziell beibehalten werden. Allerdings sollen Erziehungs- oder Pflegezeiten künftig nicht mehr beziehungsweise weniger stark berücksichtigt werden.