Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sieht keine Anzeichen dafür, dass internationale Studierende oder Wissenschaftler nach dem AfD-Wahlsieg Sachsen-Anhalt meiden. Im Gegenteil: Die Hochschule verzeichnet sogar einen Zuwachs und betont ihre Willkommenskultur.
Keine Absagen wegen Wahlergebnis
Der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Jens Strackeljan, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Aus unseren jüngsten Berufungsgesprächen kenne ich keine Absage wegen des Wahlergebnisses“.
Im Gegenteil: Einige internationale Studierende hätten erklärt, "sie wollten gerade jetzt einen Beitrag dazu leisten, dass sich Sachsen-Anhalt positiv entwickelt". Zum Wintersemester verzeichne die Universität einen Zuwachs an internationalen Studierenden.
Aufmerksamkeit außerhalb des Campus
Gleichzeitig beobachtet die Universität den Umgang mit internationalen Studierenden und Beschäftigten im öffentlichen Raum. "Wenn sich der Umgang mit internationalen Studierenden und Beschäftigten im öffentlichen Raum verändert, wenn es verbale Angriffe oder Anfeindungen gibt, müssen wir das wahrnehmen", so Strackeljan. Das könne im Bus, in öffentlichen Einrichtungen, beim Sport oder Fußball passieren.
"Außerhalb des Campus können wir als Uni keine Sicherheitsgarantie geben. Aber wir können aufmerksam sein, hinschauen und reagieren".
Wirtschaftliche Bedeutung der Willkommenskultur
Die Universität will internationale Studierende weiterhin explizit willkommen heißen. "Wir müssen den Menschen deutlich machen: Ihr seid weiterhin willkommen, wir kümmern uns um euch", betont Strackeljan. Die politischen Rahmenbedingungen hätten sich möglicherweise verändert, die Botschaft bleibe aber: "kommt nach Sachsen-Anhalt, ihr seid willkommen.".
Für Sachsen-Anhalt gehe es dabei auch um wirtschaftliche Interessen. An der Universität studieren rund 5.500 internationale Studierende. "Uns würden Fachkräfte, Wissen und Ideen fehlen", erklärt der Rektor. Zudem gebe es rund 40 begleitete Gründungsvorhaben, viele davon international geprägt. "Es wäre töricht, wenn wir diesen Menschen die Tür zuschlagen".