200 Staaten beraten in Eriwan über 30-Prozent-Schutzziel bis 2030
Ab Montag beraten in der armenischen Hauptstadt Eriwan rund 200 Staaten auf der 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP17) über den Stand der Umsetzung ihrer selbst gesteckten Ziele. Im Mittelpunkt steht ein Zwischenbericht der Vereinten Nationen, der zeigt, dass die Weltgemeinschaft bei der Erreichung der 2022 vereinbarten Vorgaben deutlich hinterherhinkt. So soll bis 2030 mindestens 30 Prozent der globalen Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden, doch das aktuelle Tempo reicht laut UN nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen. UN-Generalsekretär António Guterres betonte, dass zwar fast 90 Prozent der Vertragsstaaten nationale Ziele eingeführt hätten, es aber eine „Lücke zwischen Ambitionen und Maßnahmen“ gebe, wie der Deutschlandfunk berichtet. Guterres rief zu stärkerer finanzieller Unterstützung für Entwicklungsländer auf.
Umweltminister warnt vor globalen Umsetzungslücken
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) räumte vor der Konferenz ein, dass die Weltgemeinschaft zwar Fortschritte gemacht habe, aber bei der Umsetzung noch große Lücken bestünden, wie welt.de und t-online.de übereinstimmend melden. Schneider, der in der zweiten Woche die deutsche Delegation leiten wird, unterstrich, dass es schneller gehen müsse, um die gemeinsamen Ziele noch zu erreichen. Gleichzeitig verwies er auf die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit, damit die Natur auch in anderen Weltregionen überleben könne.
Naturschutzorganisationen fordern mehr Tempo und Geld
Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und der Nabu fordern unterdessen, Umsetzungslücken zu schließen, die Finanzierung auszubauen und den Schutz von Flächen effektiver zu gestalten. Jannes Stoppel von Greenpeace betonte, der Schutz der Natur sei für das Überleben der Menschheit zentral, da intakte Ökosysteme die Grundlage für Wirtschaft und Lebensqualität bilden. Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger verwies auf aktuelle Beispiele wie Waldbrände und Niedrigwasser, die die Abhängigkeit von intakter Natur verdeutlichen.
Deutschlands Schutzgebiete in alarmierendem Zustand
Eine aktuelle Bestandsaufnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle zeigt zudem, dass der Zustand vieler Schutzgebiete in Deutschland schlecht ist. Nur sechs Prozent der Lebensräume und vier Prozent der Arten in FFH-Schutzgebieten befinden sich demnach in einem günstigen Zustand. Als Hauptursachen werden intensive Landwirtschaft, Entwässerung, forstliche Nutzung und menschliche Störungen genannt, hinzu kommen Belastungen durch Pflanzenschutzmittel, Nährstoffeinträge und den Klimawandel. Besonders bei Wäldern und Meeresschutzgebieten sehen Experten Handlungsbedarf.
WWF-Bericht zeigt dramatischen Artenverlust seit 1970
Der Living Planet Report 2026 des WWF unterstreicht die Dringlichkeit: Seit 1970 sind die Bestände von über 35.000 Wirbeltierpopulationen im Schnitt um 73 Prozent geschrumpft. Die Konferenz in Eriwan soll nun Weichen stellen, um diese Entwicklung zu bremsen.